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Über die innere Uhr, Morgenmuffel und das Licht

Wer kennt das denn bitte nicht? Der Wecker klingelt so gegen sieben Uhr, aber man kann sich einfach nicht bewegen. Schlaftrunken ist es gerade mal möglich den Arm auszustrecken, um die Snooze-Taste zu drücken. Dabei hat man doch, so wie überall angepriesen, mindestens 8 Stunden geschlafen. Wieso also bin ich verdammt noch mal so müde?

„Du bist einfach ein Langschläfer. Es liegt nicht in deiner Natur so früh aufzustehen.“, sagt meine Oma immer. Aber vielleicht liegt das auch am Smartphone neben meinem Kopfkissen, dessen kleine gefährliche Strahlen meinen Schönheitsschlaf negativ beeinflussen, schließlich hört man überall davon.

Laut Dieter Kunz, Chefarzt für Schlafmedizin am Berliner St. Hedwig Krankenhaus  und Schlafforscher Till Roenneberg  stimmen tatsächlich beide Hypothesen. Das heißt, dass unser Biorhythmus genetisch bedingt ist, jedoch durch Strahlen verschiedener Farben negativ bzw. positiv beeinflusst werden kann.

Blaue Lichtstrahlen hemmen die Ausschüttung vom Müdigkeitshormon Melatonin, das fanden US-amerikanische Forscher bei der Untersuchung der Netzhaut unseres Auges heraus. Demnach sind die Strahlen meines Smartphones und meines iPods blau, und stören dadurch meinen Schlaf. Rot hingegen fördert das Einschlafen, also ist es kein Wunder, dass wir in der Weihnachtszeit, in der orange und rot dominieren, immer müde sind. Winterdepression? Papperlapapp!

Aber selbst WENN ich mich dann hochgequält habe und am Frühstückstisch sitze, bin ich noch immer nicht ganz da, da hilft auch weder das Licht meiner blauen Nachttischlampe, noch mein strahlensendenes Radio. Nein, das liegt ganz allein am Biorhythmus, der bei jedem vierten Deutschen einfach später in Gang kommt. Und zack werde ich von meiner, morgens schon singenden, Mutter als Morgenmuffel abgestempelt.

Dabei hat das frühe Aufstehen wirklich gravierende Folgen für die Spätaufsteher, denn die von der Gesellschaft auferlegten Zeiten unterscheiden sich bei ihnen viel mehr vom individuellen Schlafverhalten, als bei den Frühaufstehern. „Social Jetlag“ nennt man dieses Schlafdefizit, das nicht so schnell überwunden werden kann, egal wie viel man schläft. Müdigkeit, Erschöpfung und durchgehender Stress werden zum dauernden Begleiter und wer ist davon nicht betroffen? Scheint fast so, als ob ein Kulturwandel begonnen hat, der kaum noch gestoppt werden kann. Und da soll noch mal jemand sagen, er wüsste nicht wo seine Kopfschmerzen her kämen und warum er sich in den ersten beiden Stunden auf der Arbeit, oder in der Schule nicht konzentrieren kann. Herzlich Willkommen Burnout und Koffeinabhängigkeit!

Stellt sich nun abschließend die Frage, was mach ich, damit mich mein Schlafdefizit nicht überkommt? Denn in naher Zukunft sieht es wohl nicht so aus, als ob sich die gesellschaftlichen Zeitnormen zugunsten des individuellen Schlafverhaltens ändern würden. Flexiblere Arbeitszeiten und besonders ein späterer Beginn in Schulen, im Studium und auf dem Arbeitsplatz, wären jedoch Ansätze für ein ausgeschlafenes und gesundes Leben in unserer Zeit der Schnelligkeit.

Ich denke da an morgendliche Workouts mit kleinen Dehnübungen und eine kalte Dusche um fit und vor allem wach zu werden, wobei das alles leichter gesagt als getan ist. Ach, und das ausgewogene Frühstück sollte man natürlich nicht vergessen, denn wie lautet das Sprichwort noch gleich? „Morgens sollst du essen wie ein Kaiser, mittags wie ein König und abends wie ein Bettelmann.“ Und wie wär’s mit blaustrahlendem Licht in U-Bahnen und der eigenen Küche, obwohl dadurch die Gemütlichkeit natürlich flöten geht.

Doch das Wichtigste ist immer noch die Disziplin, also wenn morgens der Wecker klingelt nicht gleich wieder umdrehen, sondern ruhig mal die Augen aufmachen, ob das dann bei den Hardcore-Langschläfern was bringt, ist eine andere Sache.

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