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Tit for Tat

Ich fotografiere, kritzel Sterne und Häuser vom Nikolaus und die des Nachbarns auf mein Karoblatt, stell mir Pflanzen ins Zimmer, werde bei Facebook und in verschiedenen WhatsApp Gruppen zum Autor und stimme meine Hosenfarbe mit der meines Oberteils ab. Ich baue mir meine Welt zusammen aus den Teilen, die ich zur Verfügung habe, ich konstruiere mir mein Leben, wie ich es leben möchte – ohne nachzufragen, einfach ganz egoistisch das tun was keiner tut. Ich bin wie Pippi Langstrumpf, nur ohne rote Haare und dass meine  Sommersprossen nur im Sommer zu Tage treten, aber das ist hier ja auch nicht so wichtig.

Ich bin Lebenskünstler, ohja! Auch wenn ich keinen Pinsel besitze, noch nicht viel von der weiten Welt gesehen habe, keinem Abenteuersport nachgehe sondern tagtäglich in dem selben Café den selben Kaffee bestelle einfach weil er mir jeden Tag gut schmeckt, kreiere ich nach meinen ganz eigenen Vorstellungen.

Dabei bin ich längst kein Künstler und kreativ auch nur bedingt, aber trotzdem verdammt alternativ. Ich kann meine Vorstellungen und Meinungen vertreten, ich kann entscheiden irgendwann wieder Fleisch zu essen, der SPD oder den Piraten beizutreten oder ganz viel Sport zu treiben, aber was das Beste ist, ich muss es nicht. Ich kann auch einfach nur dastehen und abwarten bis mir jemand sagt wo ich lang laufen muss, mitzugehen und schon bin ich da.

Aber das wäre langweilig. Es wäre nur öde, einfach und witzlos das zu machen was andere machen. Nein, lieber laufe ich in eine andere Richtung auch wenn der Weg länger und schwieriger ist, ist mir alles egal, aber Hauptsache ich geh nicht mit, laufe nicht den selben Weg sondern einen anderen.

Wenn mich jemand etwas fragt sage ich prinzipiell „Nein!“. Einfach weil ich nicht will, ich muss gar nicht nachdenken, ich weiß es schon im Voraus, dass ich anderer Meinung sein werde und da kann Deine Idee noch so verlockend klingen: Nein, ich mag kein Eis, und nein schon gar nicht im Sommer! Pff, Eis im Sommer – da bin ich doch viel origineller und trink erstmal einen frisch aufgebrühten Kamillentee. Sei doch bitte ein wenigstens ein wenig tolerant, okay?

Geheimnisvoll und unvorhersehbar, das will ich sein, und weil ich das sein kann, bin ich es auch. Ich bin höchstens 20 Minuten auf einer Party, einfach damit ich nichts verpasse, jeder meinen Namen kennt, aber mich nicht: Extravaganz ist meine Devise! Das hat Stil, das ist was ich will. Es ist mir egal, ob ich etwas Neues erfahren würde wenn ich bleibe, denn ich tue es ja eh nicht. Stattdessen gucke ich Filme, den ganzen lieben langen Tag, außer wenn ich im Café sitze. Aber keine Hollywoodproduktionen, eher so französische Sachen – Art-House und so! Dabei geht es mir nicht um den Sinn, sondern vielmehr um die Kunst die dahinter steht, auch wenn ich mich damit nicht auskenne.

Bitte was hast Du gefragt? Ob ich zufrieden bin? – Nein. Also doch natürlich…aber ich bin anders zufrieden als Du.

 

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