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Parkplatzwächter Dortmund

Seit letztem Jahr August, wenn ich nicht täusche, arbeite ich als Parkplatzeinweiser an dem Dortmunder Westfalenstadion und den Westfalenhallen. Meist zu Fussballspielen oder Messen. Ich trage meist eine orangene Weste oder Jacke und ein Namensschild. Gestik und Mimik sind, aus meiner Perspektive, sehr wichtig zum Koordinieren und Navigieren der Fahrzeuge in die Boxen. “ Ein Stück weiter nach links und rechts den Begrenzungsstreifen beachten. “

Es gibt schon dreiste Fahrer die für zwei oder gar mehr parken, wenn sie sich längs stellen, am Ende rücke ich sie meist dennoch gerade. „Jedes Stück zählt“, sagt mein Chef, da muss man darauf acht geben, dass keine unnötigen Lücken entstehen. Möglichst eng parken.

Heute hat der Ballverein Borussia Dortmund gegen die Vereinigung für Ballsport Stuttgart gespielt. Ich war auf „F2“, einem der, so ich richtig zählte, einundzwanzig Parkfelder um das Westfalenstadion und die Westfalenhallen herum. „F2“ befand sich gleich in der Nähe von dem Rosengarten des Westfalenparks. Der Florian-TV-Turm befindet sich im Westfalenpark, als eines oder gar das Wahrzeichen der Stadt  Dortmund.

Während im Stadion der BVB  gegen den VfB Stuttgart spielte, pingpongten in den Hallen die Herren im Tischtennnis um die Weltmeisterschaft. Sofern ich es umständlich ausgedrückt habe, hier noch mal in einem Satz: Im Stadion war Fussball Bundesliga, in den Westfalenhallen Tischtennisweltmeisterschaft. Ganz viel Sport an einem Ort.

Meist war ich pünktlich auf der Arbeit, zu, so ich nicht täusche, fast absolut allen Uhrzeiten. Heute war ich weniger pünktlich. Ich hatte eine Fahrstunde und es dauerte länger als geplant. Mein Fahrlehrer überzog. Ich fuhr mit der U-Bahn bis zur Haltestelle „Remydamm“, eine Haltestelle vor dem Stop „Westfalenhallen“, lief über die gepflasterte Parkflächen „E1“ und „E2“ und orientierte mich zunächst auf einem Lageplan. Zuvor hatte ich meist immer auf anderen Parkfeldern gearbeitet. Ich überquerte die Fußgängerbrücke, die die Parkfelder „E“ und „F“ miteinander verband. Links davon befand sich das Hilton-Hotel Dortmund, rechts das Parkfeld. Ich war zu spät, wie peinlich, wenn ich so schreiben darf.

Der Blick von der Brücke verschaffte Übersicht, ein Fahrschulmotorrad – welch ein Zufall – drehte eine Fahrt und vereinzelte Autos waren bereits in den Boxen geparkt. Von weitem konnte ich drei orangene Punkte, Personen erkennen. Sie standen vor einem Pförtnerhäuschen und warteten augenscheinlich, wenn ich nicht täusche, auf Verkehr. Sie unterhielten sich über das Wetter und Allgemeines, wie ich erfuhr.

Bei meinem Eintreffen entschuldigte ich mich für mein Zuspätkommen und Michael, der älteste der einweisenden Wächter, mit einer roten San-Francisco-Mütze, funkte an die Zentrale. Auch beim dritten Mal funktionierte der Kontakt nicht. Wir saßen in einem Funkloch, wenn ich nicht täusche, dafür durfte ich auf einen weiteren Parkplatz als Strafe laufen. Ich sollte nicht von dort aus funken, ich sollte kontrollieren, ob wer anwesend sei. Hier saß ein einsamer Wächter…was ein Arbeitsbeginn?

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Die Arbeit erschien, aus meiner Perspektive weniger spektakulär. Circa zwei Stunden vor Spielbeginn waren kaum Autos eingetroffen, fünf oder sechs Minuten später kam ein Auto nach dem anderen an; nahezu im Minutentakt. Auto für Auto.

Der Eingang war von zwei Wächtern bewacht, die die Autos abkassierten: Sie verlangten acht Euro Parkgebühr, so ich nicht täusche und den Worten eines Mitarbeiters Glauben schenken darf, und im Gegenzug bekamen die Autos einen rosa Zettel vor die Windschutzscheibe gelegt. Das berechtigte zum Parken. Zwei weitere Einweiser – so ich nicht täusche, trugen alle orangene Westen – arbeiteten auf dem Feld und gestikulierten die Autos in die Boxen. Ich gehörte zur zweiten Gruppe. Autos parken.

Nach circa zwei Stunden war der Parkplatz nahezu voll. Es war ungefähr eine halbe Stunde vor Spielbeginn und dunkel. Fanrufe und Geschreie waren zu hören, die Atmosphere des Stadions schwippte seicht über die Parkfläche in die Ohren der Wächter. Die letzten ankommenden Vehikel ließen ihre Motorgeräusche verpuffen. Parkplatzsuche, wo war was frei?

„Ein Auto pro Baum“ hieß es zum Ende der Schicht, womit gemeint war, dass die letzten Autos neben den Boxen parken durften. Der Platzwar nahezu komplett voll. Fast Feierabend, Schichtende. Yuppie.

Vom hintersten Bereich des Parkplatzes bis zum Pförtnerhaus lief ich circa zwei Minuten, so ich nicht täusche. Vom Ende bis zum Anfang machte ich meinen Gang lang und vernahm Gesang auf den Parkflächen „Shalala Borussia“ „Nur der VfB“ und vom Stadion“Ole ole“. Auf dem Weg nahm ich eine alleinstehende Beirflasche mit auf den Weg. Selbst acht Cent sind Geld. Wer möchte nicht reich werden?

Im Pförtnerhäuschen zählten die zwei Männer am Eingang die Einnahmen, das Geld des Tages. Insgesamt waren, so ich nicht täusche, über tausend Parkkarten verkauft worden. Das nur auf einer Parkfläche. Fenomenal spektakulär.

Mit meinem Kollegen unterhielt ich mich über die Einnahmen des Tages, während ich, so ich schreiben darf, über ein Studium in Schottland, im United Kingdom nachdachte. Wir liefen durch die Parkreihen, an allerhand Autos vorbei: Jaguar, Landrover, Porsche, Mercedes, BMW und viele mehr. Am Ende der Reihen von Autos wartete die Fußgängerbrücke, die ich auf meinem Hinweg bereits überquert hatte.

Während tags die Parkfläche leer und das Hiltonhotel wie ein kaler Plattenbau wirkte, war nun die Parkfläche nahezu komplett überfüllt mit Autos so gut wie aller Marken, wie geschrieben. Das Hiltonhotel auf der anderen Seite war blau illuminiert. Auto für Auto, Reihe für Reihe, stille Nacht?

Der Weg über die Brücke war so gut wie von allen Seiten beleuchtet, licht und blau, wie das Hotel. Mein Kollege und ich, unsere Namen blieben anonym, liefen darüber. Unter uns verlief die Bundesstraße Nummer Eins. Die Zeit lief. Wir unterhielten uns über, so ich nicht täusche, Religionen und Sport, als, so ich nicht täusche ein Tor viel: „Haha, das war bestimmt ein Tor“ sagte ich, als die Atmosphere vom Stadion vibrierte, über die Brücke pulsierte. Unter uns fuhren Autos.

Die zwei einsamen Parkplatzwächter und das volle Stadion schufen eine Atmosphere von weiter Ferne oder ferner Weite, je aus welcher Perspektive man trachtete. Die letzten Schritte führten durch den Rosenpark. Wir mussten einen Umweg gehen, da der Übergang über die Schienen versperrt war. Eine Servicekraft der DSW riet uns, die Unterführung zu passieren. Wir passierten und rangierten in Richtung Rosenpark, wie erwähnt. Die letzten Schritte machten einen Wechsel von Kiesboden zu Asphalt und es war nur noch ein Sprung in das Büro des Chefs: Ende.

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