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Liebe Grüße vom Leben: Kulturelles Objekt „Körper“

„Luxusfaktor Leben“, denke ich mir jedes Mal wenn ich durch den Drogeriemarkt laufe, um meinen Vorrat an Cremes, Make-up und Wattepads aufzufüllen und im Endeffekt wieder das halbe Proben-Regal in meinem Körbchen landet. „Muss ich das wirklich alles haben?“ frag ich mich, während irgendwo in meinem Hinterkopf schön monoton mein Kontostand blinkt. „Ach was soll’s? Ich brauch die Sachen wirklich!“, sag ich mir dann, obwohl ich jetzt schon weiß, dass der dunkelrote Nagellack den ich gerade in meiner Hand halte dem zu Hause bedrohlich ähnelt – aber nur ähnelt!

Ja, das Leben ist teuer. Das wissen wir alle und Ende des Monats bekommt man diese Wahrheit mit geballter Ladung ins Gesicht geschmettert. Und während ich vorgestern bemerkte, dass mein Einkauf ausschließlich aus Ja!-Produkten und einer Gurke besteht, stellte ich mir die Frage: Wer ist hier eigentlich Luxusprodukt?

Produkt würde ja erstmal bedeuten, dass es sich um ein gemachtes Objekt handelt, das auf dem Markt frei (ver-)handelbar ist, womit die Frage ja schnell geklärt wäre: Ich als Subjekt mit Gefühlen, Emotionen und der Macht über mich selbst, bin also kaum ein Produkt! Wenn man sich allerdings so im Badezimmer meiner Mädels-WG umsieht und unsere Sammlung an Produkten-zum-sich-schöner-machen betrachte, erhebt sich verständlicherweise die Frage nach dem Verständnis unseres Körpers. Sind wir nicht alle irgendwo „gemacht“ und verhelfen uns mit Schminke und Klamotten zu einer Selbstdarstellung die von uns ganz genauso gewollt ist? Diese Überlegung würde implizieren, dass wir uns selbst als Ausstellungsobjekt inszenieren und dann wäre der Begriff der „Gemachtheit“ und damit auch der Zusammenhang zur Objektivierung unseres Selbst vielleicht doch gar nicht so weit entfernt. Wird unser Körper dadurch nur zu einem Objekt das von kulturellen und sozialen Gegebenheiten und Vorstellung der Gesellschaft definiert wird? Unser Körper als Produkt von gesellschaftlichen Vorstellungen.
Aber generieren wir nicht alle mit dem was wir sind und was wir darstellen eben diese Kultur dem das Verständnis über den Körper als Objekt entspringt? Aber um in der Lage sein etwas zu beeinflussen und zu generieren, muss man notwendigerweise ein Subjekt sein, um aktiv handeln zu können. Sind wir uns nicht alle bewusst um unsere „Stellung“ in der Gesellschaft? Jeder Mensch weiß doch eigentlich genau was für einen Platz er in den unterschiedlichen sozialen Gruppen im Verhältnis zu den anderen einnimmt. Lässt nicht gerade dieses Wissen und unser Verständnis von den jeweiligen Gegebenheiten es zu, dass wir uns selbst definieren können und nicht nur Objekt von Repräsentationen und Fremddefinitionen sind?

Wir sind uns bewusst wer wir sind, wobei damit nicht unbedingt einher gehen muss, dass man nur eine Person ist, denn können wir nicht schließlich, abhängig vom entsprechenden sozialen Umfeld, mal die Mitläuferin, mal die Lustige, die Zurückhaltende, die Schüchterne oder die ganz Klassische sein? Unser Selbstbewusstsein über das was wir repräsentieren können eröffnet uns einen Raum voller Selbstdefinitions- und Identitätsmöglichkeiten. Doch sobald wir uns für eine der vielen Personen entscheiden, die wir mal mehr mal weniger häufiger sind, greifen zurück auf die eben gekauften Proben aus dem Drogeriemarkt, um uns selbst zu „gestalten“. Und machen, wortwörtlich gesehen, wir uns damit selbst nicht zum Objekt und auch ein Stückchen zum performativen (Luxus-)Produkt?

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