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Liebe Grüße vom Leben: Abhängigkeitsfaktor Socialising

Ein wenig Urlaub vom Leben. Endlich wieder Tagträumen können, den Vögeln beim Nestermachen zu gucken und die gute alte Seele baumeln lassen. So hatte ich mir meine Zeit ohne Internet vorgestellt, als ich kurzfristig für ein paar Wochen bei meinen Großeltern unterkam. So schwer und traumatisch kann es in der WIFI-freien Welt ja doch nicht sein, oder sind wir, die Generation der Digital Natives, doch abhängig von unseren Smartphones, Facebook und Google? Kann es wirklich sein, dass wir nur noch übers Internet kommunizieren können?

Ja, genauso ist es. Nachdem ich auch auf mein mobiles Internet verzichten musste, weil es anscheinend noch keine Sendemasten auf dem Land gibt, wurde ich nach zwei Tagen nervös. Mir wurde bewusst, dass es sich dann doch bemerkbar macht nicht erreichbar zu sein. Man hört und sieht nichts. Ob die beste Freundin, die gerade ihren Umzug stemmt, der Freund der leider nicht in Deutschland lebt, oder die neusten Ereignisse rund um den Anschlag in Kopenhagen auf einer Veranstaltung mit dem schwedischen Mohammed-Karikaturisten Lars Vilks – man fühlt sich isoliert. Aber was heißt es eigentlich isoliert zu leben? Sind wir nicht alle auch froh mal unsere Ruhe von der Welt zu haben und uns nicht mit den Problemen der anderen beschäftigten müssen? Ist Isolation von unserer Umwelt dann nicht auch ein Stück Egoismus, aber gleichzeitig auch Selbstschutz. Quasi eine Auszeit von unserer ständigen und alltäglichen Aufgabe Informationen zu filtern und auszuwerten. Aber setzt uns das Nicht-Erreichbar sein nicht viel mehr unter Druck, anstatt beruhigend zu wirken? Denn entgegen allen Annahmen ich sei erreichbar, bin ich es nicht und das versetzt mich in einen ungeahnten Stresszustand. Dabei vermisse ich nicht mein geliebtes Handy oder mein auf der Taskleiste angeheftetes Google-Chrome Symbol, sondern meine sozialen Kontakte, und ist das nicht wiederum normal? Wollen wir nicht alle so viel wie möglich von unseren Lieben hören? Und gerade dann wenn Freundschaften oder Beziehungen über die eigene Stadt- oder sogar Landesgrenzen hinaus bestehen, ist das Internet oftmals der einzige Weg der Kommunikation, wenn man keine 19 cent pro Minute oder SMS ausgeben will.

Aber kann man das dann Abhängigkeit vom Internet nennen? Oder sind wir nicht einfach darauf bedacht unsere sozialen Kontakte zu pflegen und Freundschaften aufrecht zu erhalten? Wir sind schließlich von Natur aus eher Herdentiere als Einzelgänger. Ist unsere Droge dann etwa das Socialising? Warum fällt es uns so unglaublich schwer alleine zu sein? Wir haben verlernt runter zu kommen, etwas für unser eigenes Wohlbefinden zu tun und oftmals sogar vergessen wie das überhaupt aussieht. Langeweile und Selbstbeschäftigung werden mehr und mehr zu einem ungetragenen Paar Schuhe und Aussagen wie „ich bin gerne auch mal alleine für mich“ stehen in vielen Köpfen als Metaphern für die guten alten Stubenhocker.  Dabei ist es gerade wichtig sich auch abgrenzen zu können und sich nicht von der Welt und ihren Problemen berühren zu lassen. Ist das nicht unsere Hauptaufgabe für uns selbst – auf uns aufzupassen? Und können Google und Co. da nicht sogar hilfreich sein? Schaffen Anonymität und Kommunikation in der visuellen Welt des Internets nicht vielleicht sogar Glück, Zufriedenheit und Inklusion in der realen? Internet wird zum unabdingbaren Faktor im Universum von Kommunikation und Information. Stellt sich also die Frage, wovon sind wir denn nun eigentlich abhängig? Und ganz nach dem Henne-oder-Ei-Prinzip: Internet oder soziales Leben?

 

1 Kommentare

  1. Klaus Leifer sagt

    Hallo alena
    Ja so ist das wenn man bei Oma und Opa wohnt da bist du weg vom weltlichen
    Hast Schön geschrieben
    Bin stolz auf dich
    Lg super Klaus

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