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Ich mach’s. Es ist das Beste wenn ich es durchziehe. Ich breche mein Studium ab.


Für mich stand schon mein ganzes Leben irgendwie fest, dass ich Biologie studieren werde. Von klein auf plante ich später mit Tieren zu arbeiten und dieses Ziel hatte ich fest im Blick. Erst wählte ich den Biologie – Differenzierungskurs, später den Leistungskurs. Ich machte Praktika in diesen Bereichen und hielt mich ständig auf dem neusten Stand, was aktuelle Forschungen anging. Einen Kurs an der Uni besuchen? Nein, wozu denn? Steht doch schon fest was ich machen will. Und dann war es soweit. Ich bekam die Zulassung für den Studiengang. Was habe ich mich gefreut. Die Tatsache, dass ich dafür in den Osten, genauer gesagt nach Halle an der Saale ziehen müsste, machte mir nichts aus. Ich freute mich auf mein neues Abenteuer.

Als es dann losging konnte ich es kaum erwarten. Endlich ging es richtig los. Die Vorlesungen waren verständlich und interessant, jeder mit dem ich gesprochen habe schien derselben Meinung zu sein. Ich sog alles förmlich auf. Doch als die ersten Klausuren kamen, kam auch die Ernüchterung. Wie jetzt? Nicht bestanden? Ich hab doch alles verstanden! Ich konnte doch alles beantworten! Versteh ich nicht. Du hast auch nicht bestanden?  Lag wohl einfach am Dozenten. Ja, das muss es gewesen sein. Beim nächsten Mal wird es besser. Doch daraus wurde nichts. Bei meinen Ergebnissen fühlte es sich an, als ob alles Gute aus mir herausgesogen wurde. Ich fühlte eine Leere in mir. Ich wurde nervös, gereizt und pessimistisch. Der Kampfgeist den ich noch am Anfang verspürt habe ließ langsam nach. Ich quälte mich durch die „Semesterferien“ mit Lernen, Pauken und Verzweifeln. Was hat das alles noch für einen Sinn wenn ich überall durchfalle? Bin ich einfach nicht intelligent genug dafür? Von Freunden und Familien hörte ich ständig dasselbe:

„Du fängst doch gerade erst an! Das wird schon noch. Mach weiter und das wird alles schon irgendwie werden.“

Leider sagt sich das alles so leicht und es umzusetzen ist nicht wirklich einfach. Natürlich habe ich mir das zu Herzen genommen und es weiter versucht. Ich habe MEHR gemacht. Ich habe noch mehr gelernt. Noch mehr gelesen. Noch mehr gekämpft. Leider ohne Erfolg. Die nächsten Ergebnisse waren draußen, ich bin wieder durchgefallen. Die anschließenden Praktika machten mir auch keinen Spaß, ja sie haben mich sogar frustriert. Die Vorlesungen wurden auch uninteressanter. Alles lief irgendwie aus dem Ruder.

Die anschließende Leere in mir kann man nicht beschreiben. Ich war einfach emotionslos. Mir war alles gleichgültig. Die Ergebnisse, die Module in meinem Studium, mein gesamtes Studium. Ich habe innerlich mir gesagt, dass ich gescheitert bin. Ich entschloss mich dazu mein Studium abzubrechen und einen Neuanfang zu wagen. Doch was?

Mein ganzes Leben hab ich meinen Fokus auf die Biologie gelegt. Ich wollte es unbedingt machen, doch was ist eigentlich wenn es nicht das Richtige für mich ist? Daran habe ich nie gedacht und nun spürte ich Angst. Was mach ich jetzt? Wie soll es bei mir weitergehen? Wieder zurück nach Dortmund? Ja, aber was dann? Ich stand vor einem buchstäblichen Trümmerhaufen. Doch ich konnte nicht in Selbstmitleid versinken. Das bringt mich nicht weiter. Also fing ich an in den „Trümmern“ zu suchen. Was interessiert mich? Was kann ich machen? Wo möchte ich arbeiten?

Schließlich fand ich einen neuen Weg. Ich werde nun die „Deutsch – Polnischen Studien“ in Regensburg studieren. Ein Neuanfang. Ich spürte Hoffnung in mir. Ich fasste neuen Mut und ließ die letzten Monate Revue passieren. Vielleicht war doch nicht alles falsch gewesen. Denn dadurch, dass ich diesen Schritt gegangen bin kann ich mir in Zukunft nicht vorwerfen es nicht getan zu haben.  Es funktioniert im Leben nicht alles glatt. Nicht alles verläuft perfekt. Gerade durch diese Tatsache, die einem bewusst ist, sollte man sich nicht entmutigen lassen. Es sind alles Erfahrungen fürs Leben. Ich habe viele interessante Menschen kennengelernt, viel für den Alltag gelernt und habe die Erfahrung gemacht wie es ist nicht zu wissen was man machen soll. Dadurch bin ich für die Zukunft gewappnet.

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