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Ich bin kein Märtyrer! –Frieden im Libanon

„Libanese people love life“ – Libanesen lieben ihr Leben, steht auf dem Zettel, den eine junge Frau in die Kamera hält. Ein selfie – ein Selbstportrait – eine Botschaft für den Frieden, die sie bei Facebook hochgeladen hat. Sie ist damit nicht alleine, denn in den letzten zwei Wochen haben zahlreiche junge Menschen ihre selfies mit Botschaften des Friedens in sozialen Netzwerken geteilt.

Ein Selfie ist auch das Bild, das Mohammed Schaar und seine Freunde am 27.12. auf einem Platz in Beirut aufnehmen. Mohammed ist sechzehn, guckt cool in die Kamera und ist wenige Augenblicke später tot. Eine Autobombe reist ihn und acht weitere Menschen in den Tod. Der Anschlag galt einem Politiker, Mohammed war nur ein zufälliges Opfer. Wie alle Opfer von Terroranschlägen wird er von der Regierung zum Märtyrer erklärt. Ein Ehrentitel, der den Protest von Mohameds Freunden anregt.

Unter #NotAMartyr  rufen die jungen Libanesen zum Protest auf. Sie wollen ein Bewusstsein für die sinnlose Gewalt schaffen, die im Libanon schon für viele Menschen zum Alltag geworden ist. Sie währen sich gegen die Verklärung der Opfer als Märtyrer, die den Tod verherrlicht. Drei Tage nach Mohammeds Tod starten sie ihre Kampagne und riefen bei twitter und facebook dazu auf, Selbstportraits mit einem persönlichen Wunsch für die Zukunft Libanons zu posten.

Heute, rund zwei Wochen später zählt die Facebook-Seite fast 8000 Likes. Viele, vor allem junge Menschen, sind dem Selfie-Aufruf gefolgt. „In each and every one of the selfies, there was hope.“ – Aus jedem dieser Bilder spreche Hoffnung, fassen die Initiatoren heute auf ihrer Seite die Aktion zusammen. Bei den Wünschen der Menschen nicht nur um Frieden. Viele Menschen wünschen sich bessere Rechte für Frauen, Homosexuelle und Migranten. Doch die Hoffnung, nicht in ständiger Angst leben zu müssen durch einen Anschlag selber zum Märtyrer zu werden, ist immer präsent.

„I don’t want to wish i was born in a different country“ (Ich möchte mir nicht wünschen müssen in einem anderen Land geboren zu sein) schreibt jemand und fast damit die Hoffnung vieler zusammen, die unter #NotAMartyr ihre Bilder posten. Junge Familien wünschen sich eine sichere Zukunft für ihre kleinen Kinder; Teenager hoffen whatsapp eines Tages nur zum chatten zu benutzen, nicht um zu kontrollieren , ob ihre Freunde einen Anschlag überlebt haben. „I want to live in my country not just exist“- Ich möchte in meinem Land leben, nicht nur überleben, schreibt einer.

Viele Bilder kommen aus dem Ausland, von Libanesen, die gerne in ihre Heimat zurückkehren wollen. – In eine sichere Heimat! Letztendlich ist es das, was die meisten Beteiligten auf ihren Bildern zum Ausdruck bringen. „I don’t want to hear thunder or fireworks and mistake them for a bomb“ (Ich möchte Donner oder Feuerwerke nicht für Bomben halten.)

Ab morgen wollen die Initatoren einen Schritt weiter gehen, sie wollen die Aufmerksamkeit nutzen und ein Gespräch darüber anregen, wie all die Wünsche und Hoffnungen zur Realität werden können.  „We want to turn the selfie into a conversation, and in doing so, find solutions, together,“ schreiben sie. Jeden Dienstag wollen sie ein Bild auswählen und eine Woche lang über die Nachricht darin diskutieren. Sie wünschen sich, dass dies nicht nur in sozialen Netzwerken geschieht, sondern das sie mit ihrer Aktion auch Gespräche in den Nachrichten, in Cafès und Schulen, aber vor allem auch bei der Regierung anregen.

Heute berichteten internationale Medien über die Aktion. Die BBC und der Spiegel berichteten, auf buzzfeed kann man sich eine Auswahl der 40 stärksten Bilder ansehen. Bleibt zu hoffen, dass so viel internationale Aufmerksamkeit die Kampagne positiv unterstützen kann.  Vielleicht können Mohammeds Freunde wirklich etwas verändern,  Mohammeds Tod der Beginn für einen friedlicheren Libanon sein.

Der Aktion (und Diskusion) könnt ihr bei Facebook unter ‚I am not a martyr’ oder bei twitter unter dem hashtag #NotAMartyr folgen. 

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