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GEIST VON WEMBLEY

Ich wachte auf. Das Wetter war grau und regnerisch. Der Blick aus meinem Hotelfenster zeigte das Wembleystadion in London, den Ort, an dem Englands Nationalteam seine Spiele bestritt. Es war ein nebliges Bild durch verschmutzte Fenster. „Aufstehen“, flüsterte eine Stimme. Ich saß in meinem Hotelzimmer, der Wind blies durchs Fenster hinein. Ich stand auf, um eine Runde zu laufen.


Ich war ein deutscher Jugendlicher, der wenige Tage in London verbrachte. Es war Neujahr. Ich interessierte mich für Geschichte und Sport. Das mag einer der Gründe gewesen sein, weshalb meine erste Assoziation mit dem Stadion „Ghostgoal“ war. Ich dachte dabei an das Finale der Fussballweltmeisterschaft Neunzehnhundertsechsundsechzig, als ein Tor gegeben wurde, das keines war. War es Sir Geoffrey Charles Hurst, der Torschütze vergangener Tage, der mir ins Ohr flüsterte? Dieser Gedanke trieb mich an.

Ich zog mich an, schnürte meine Schuhe, nahm den Aufzug, lief durch die Lobby des Hotels und startete. Ich nahm den direkten Weg zum Stadion, wie ich ihn Tags zuvor in umgekehrter Richtung zum Hotel gelaufen war. Zweimal bog ich ab. „Lauf Junge, lauf“, hörte ich eine Stimme, und der Wind blies um meinen Kopf. Ich drehte mich um. War das Sir Hurst? Aber es war niemand zu sehen. Die Treppenstufen zum Wembleystadion hinauf joggte ich, die letzten Schritte führten über eine Rampe. „Das ist die richtige Route“ hörte ich eine Stimme. Wieder drehte ich mich um. Wieder war Sir Hurst nicht zu sehen. Ich spürte den Wind und sprintete die Rampe hinauf.

Das Laufen fiel mir schwer, der Wind war stark, mein Kopf, im wahrsten Sinne des Wortes, gelüftet. „Du hast es fast geschafft“, dachte ich und kämpfte gegen den Widerstand. Der Wind fegte mir durchs Haar. Glücklicherweise drehte er sich nun. Er schob mich von hinten, wechselte dann erneut die Richtung, und eine Stimme sagte: „Du denkst, ich wäre Hurst? Ich gebe dir noch einen Hieb. Denk noch einmal darüber nach, dann errätst du hoffentlich, wer ich bin.“ Ich lief, lief schneller, plötzlich wurde es heller. Ich sah nach oben. Und voller Staunen, als spielten Posaunen, erblickte ich Bobby Hope. Eine Bronzestatue des legendären schottischen Fussballspielers, der gemeinsam mit Hurst im Finale spielte. Ich fühlte mich geehrt, seine Bekanntschaft machen zu dürfen.

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