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Fortsetzungsgeschichte „Familienfluch“- Teil Zwölf

THE INTRO!

Er hatte noch nie ein ungutes Gefühl beim Töten verspürt. Immer hatte es auf eine gewisse Art und Weise Spaß gemacht, besonders wenn er daran dachte, wie viel reiner diese Welt nun ohne das gewisse Opfer seines Angriffes sein würde. In dieser Nacht hatten bereits drei Männer sterben müssen, der vierte lag direkt vor ihm, hielt sich eine Wunde am Hals und röchelte seinen letzten Atemzug. Er beendete es mit einem Stich ins Herz und durchsuchte dann seine Taschen.

Eine Brieftasche mit ein paar Münzen, ein Revolver ohne Munition, und schließlich auch ein Personalausweis. Das, was das Ungeheuer jedoch gesucht hatte, war nicht dabei. Hinter seiner weißen Maske lächelte er, steckte sich sein Messer zurück in den Gürtel und kletterte dann an die Oberfläche zurück. Kanäle hatte er schon immer gehasst, der Abschaum dieser Stadt benutzte die Kanäle jedoch genau wie Ratten Nester. Zum vierten Mal hörte er heute die Polizeisirenen, in Aufregung versetzte ihn das jedoch nicht. Er kletterte die nächstbeste Feuerleiter empor und erreichte schließlich das Dach eines Wohnhauses, von dem aus er das Spektakel beobachtete.

Wie immer waren die Polizisten ratlos, rieben sich die Stirn und schauten verblüfft drein. George Rayden war nicht dabei, erkannte der Mann mit der Maske, dann sprang er auf das nächste Hausdach und von dort aus weiter und weiter ins Stadtinnere. Die Stille Kirche war sein Lieblingsort. Vom Kirchturm hatte er einen wunderbaren Ausblick, genau wie von der Graysson-Bridge und dem Rabenbaum, welcher majestätisch und düster in der Nähe aufragte, größer als jeder andere Baum in der Stadt. Er trug seinen Namen zu Recht, denn stets sammelten sich die Raben auf seinen Ästen und musterten jeden in der Nähe mit kalten, bösen Augen.

Das Ungeheuer blickte sich nach allen Seiten um, doch keiner der Passanten bemerkte ihn. Als er schließlich den Kirchturm erreicht hatte, stand der Mond am Himmel. Viele Bürger der Stadt hatten sich zur Gedenksfeier der gefallenen Soldaten während des Zweiten Weltkriegs vor der Kirche versammelt… Jetzt war es Zeit, zu handeln.

„Bürger und Bürgerinnen der Stillen Stadt!“ sagte er mit lauter, klarer Stimme. Fühlt sich fast an wie die Rede am Grab meines Vaters, dachte das Ungeheuer. Hinter seiner weißen Maske fühlte er sich sicher, niemand konnte ihm etwas anhaben- seine Stimme würde man ebenfalls nicht erkennen… er war ja eigentlich schon seit zweihundert Jahren tot. Die Menge unter ihm war zu einem Haufen verblüffter Affen geworden, die sich nicht entscheiden konnten, ob sie verblüfft oder geschockt nach oben schauen wollten. „Wir haben uns heute hier versammelt, um die Opfer des Krieges zu betrauern… ja, es war ein schrecklicher Krieg, und wahrscheinlich ist es auch nicht der beste Zeitpunkt, um sich auf einem Kirchturm zu präsentieren und eine Rede zu halten…“ In der Menge erkannte er Tom Moonfire, einer der einzigen des ganzen Haufens, der nicht geschockt wirkte.  „…aber ich habe etwas sehr Wichtiges zu sagen.“

Ein Teil der Menge wurde bereits unruhig, manche stießen sich an und tauschten nervöse Blicke. Der Maskenträger räusperte sich, dann fuhr er fort. „Unter Euch ist ein Mann, der sämtliche Geheimnisse der Stadt bewahrt, und der nicht das ist, was er zu sein scheint, und der viel Böses in dieser Stadt getan hat. Er hat einen Krieg in dieser Stadt organisiert, von dem die meisten jedoch gar nichts mitbekommen… nennt mich ein Monster, nennt mich einen Mörder, doch das bin ich nicht. Ich weiß, vielleicht sieht es nicht so aus, aber ich helfe der Stadt, indem ich ihre größten Wunden verarzte und den Schmutz von ihrer Haut kratze… indem ich das Böse in dieser Stadt vernichte. Bei dem Aufrührer handelt es sich um…“

Weiter kam er nicht, als die Patrone seinen Kopf traf.

Timothy Rayden, gottverdammt, dachte er.

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