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Fortsetzungsgeschichte „Familienfluch“- Teil 16

„Sie scheinen sich sehr für diese Maske zu interessieren.“

Arthur Carper erschien im Zelteingang, die eisblauen Augen musterten Carl Moonfire kurz und schweiften dann zur Maske. „Ja. Sie hat etwas… mystisches an sich.“ Von draußen ertönten die Geräusche der Tiere, die langsam ebenfalls erwachten. Sie hatten ihr Lager am Amazonas aufgeschlagen, einen Tag nach ihrem Treffen mit dem Stamm der Kya. Es war ein grausames Gemetzel gewesen, doch immerhin hatten sie neben der Maske auch einige sehr wertvolle Gegenstände ergattern können. Während der gesamte Stamm der Kya ausgelöscht wurde, hatte ihre Gruppe von zwanzig Leuten gerade einmal zwei verloren.

Plötzlich musste Carl lächeln. An der Maske klebte immer noch das Blut des Häuptlings, dem er sie vom Kopf gerissen hatte. Er legte sie beiseite und erhob sich. „Wann brechen wir auf?“ fragte er und streckte sich. „In der nächsten Stunde. Sowoss sucht gerade den besten Pfad. Wenn wir Glück haben, sind keine anderen Stämme auf uns aufmerksam geworden, und wenn doch, haben sie sich hoffentlich vor Angst verkrochen.“

Nach einer guten Stunde zogen sie wieder los. Carl hatte sich an die feuchtwarme Luft des Regenwalds gewöhnt, doch die Mücken schafften es immer noch, ihn zu erzürnen. Er hatte aufgehört, die Stiche an seinem Körper zu zählen, die die Blutsauger an ihm hinterlassen hatten. Wie immer war Arthur die Ruhe selbst, den ganzen Weg lang lächelte er sein wissendes Lächeln, als ob er etwas wusste, dass niemand anders wissen konnte. Carl hatte aufgehört sich zu fragen, was das wohl sein konnte.

Sie kamen vorbei an einem Wasserfall, über dem ein Regenbogen majestätisch leuchtete. Die weiße Maske leuchtete ebenfalls in allen Farben, als sie vom Sonnenlicht getroffen wurde. Hoffentlich ist das ein gutes Omen, dachte Carl, während er den Regenbogen betrachtete. Nachdem sie den Wasserfall über einen umgestürzten Baumstamm überquert hatten, wurde der Wald wieder dichter und sie mussten sich mit ihren Macheten einen Weg durch das Unterholz schlagen. Während sie langsam immer tiefer in den Wald eindrangen, fragte sich Carl, wie er seinen Plan in die Tat umsetzen sollte.

Eine Stille Stadt, dachte er. Das war es, was er vor seiner Reise geschafft hatte: Eine Stadt gründen, genau dort, wo das größte Geheimnis der Welt verborgen lag. Die Maske konnte eine Waffe werden, mit der er dieses Geheimnis beschützen konnte… doch er wusste, dass er langsam alt wurde. Sollte er sie wirklich seinen Kindern weitervererben? Um den Untergrund zu beschützen brauche ich jemanden, gegen den niemand etwas tun kann. Jemanden den niemand kennt. Eine Maske ist eine gute Verkleidung. Dachte er. Es hatte ihm nie wirklich viel an seinen Kindern gelegen. Um ehrlich zu sein, hätte er am liebsten keine Kinder gehabt. Dann hätte er sich wenigstens auf seine Arbeit und seine Pläne konzentrieren können und hätte nicht andauernd irgendwelche familiären Pflichten erfüllen müssen. Er stellte es sich abenteuerlich vor, in einer Verkleidung durch die Stadt zu jagen und sie von dem Abschaum der Straßen zu befreien, dann beim ersten Tageslicht zurück in den geheimen Untergrund zu kehren und es bewachen, das, was so tief dort unten schlummerte…

Seine Lippen verzogen sich zu einem Lächeln, und der Rest des Weges schien wie im Flug zu vergehen. Die Stille Stadt, von der niemand erahnen konnte, was für ein Gebrüll unter ihr herrschte.

Der Hubschrauber stand bereits auf dem Landeplatz, als sie ankamen. Carl zeigte dem Piloten die Maske und auch er begann zu lächeln. Vier Eingeweihte, und eine ganze Stadt voller ahnungsloser Bürger. Noch zwei Jahrhunderte musste er warten. Auch wenn er es nicht mehr miterleben würde, so war er doch voller Vorfreude auf die bevorstehenden Ereignisse.

1 Kommentare

  1. Schöne Geschichte und toll das es noch junge Leute gibt, die sich für das Schreiben interessieren.
    Auf meiner Website longlongstory.com kann man gemeinsam und rundenbasiert eine Fortsetzungsgeschichte schreiben.
    Hier wird das Konzept genau erläutert:
    http://www.longlongstory.com/help.php

    Ich würde mich freuen, wenn ihr mitmacht.

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