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Das erste türkische Folk“Lore“ Festival 8.9.12

Nach zwei einleitenden Sätzen über die Nervosität der Moderatorin und Ihre Hoffnung, dass dies nicht das letzte Folklore Festival sei, bat sie uns für die Nationalhymnen Deutschlands und der Türkei aufzustehen. Zugegebenermaßen ich war niemals Fan von Nationalhymnen. Nicht, weil sie ziemlich prätentiös sind, sondern weil man aufstehen muss, für ein etwa eine Minute langes  Lied wovon heute kaum jemand mehr als zwei Zeilen kennt. Nachdem also das Band der deutschen Nationalhymne einsam zu Ende ging, erschall ein Chor auf Türkisch von beiden Seiten. Ein zunächst etwas groteskes Bild für eine Veranstaltung der Migrations- und Integrationsagentur (MIA-DO). Im Nachhinein eher ein bitterer Geschmack für die Veranstalter, die spätestens dann die vereinzelten Deutschen im gut besetzten Saal des Dietrich-Keuning-Hauses bemerkten.

Dabei haben die verschiedenen Tanzgruppen mit im Durchschnitt zehn bis zwölf junge Frauen und Männer die ersten vier Reihen bis zur Mitte der Veranstaltung besetzt, sodass die Besucher sich nur noch mittig oder hinten  hinsetzten konnten. Die rechte Seite hatte zusätzlich das Pech den Blick durch ein hässliches großes Kammerastativ samt Kammermann und Kabel im Blickfeld zu haben, dessen Bild wurde auf die Bühne projiziert. An sich eine schöne Idee, die allerdings bei dem noch recht überblickbaren Publikum eher überflüssig erscheint, da man von hinten die Gruppen ebenfalls gut sah, naja, zumindest dann wenn das Stativ nicht im Blickfeld stand.

Dafür lieferten die Tanzgruppen aus dem ganzen Ruhrgebiet eine fantastische Performance ab. Sie zeigten langsame träumerische Kreisbewegungen bis hin zu schnellen und beeindruckenden Schwertkämpfen. Manchmal sogar in einem Akt. Die verhältnismäßigen langen Choreographien bewiesen die Mühe und den Ehrgeiz, den die türkischen Jugendlichen in ihrer Freizeit aufbrachten. Auch die wundervoll gestalteten Trachten/ Kostüme halfen der in sich stimmigen Atmosphäre. Leider liefen die Akteure bereits vor ihren Auftritten kostümiert durch den Saal, was den Überraschungseffekt und somit das Interesse an den neuen Gruppen teilweise einschränkte. Auch fehlte der Kontext indem die Tänze standen. Folklore lebt von „lore“, also dem Wissen, der Geschichte, der Erzählung. Dadurch verkam  das Folk“lore“ Festival zu einem Tanzfestival mit zwischenzeitlicher Musikeinlage.

Doch trotz strukturellen Problemen ging ich insgesamt mit einem guten Gefühl nach Hause. Ich fühlte mich, als hätte ich ein wenig Orient in Dortmund erlebt. Und letztendlich hat das erste türkische Folklore Festival somit sein Ziel der kulturellen Annäherung bei mir erreicht.

 

Mehr Merhaba?

 

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