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XXS Kurzfilmfestival – Qualität ist nicht Quantität

Zum zwölften Mal hieß es „Film ab!“ für das XXS Kurzfilmfestival. Nicht nur die Filme waren auf aller höchstem technischen Niveau, sondern auch die Veranstaltung selbst. Die sechs Studierenden der Medienakademie WAM trugen mit ihrer „Semesterarbeit“ zu einem außergewöhnlich stimmigen Abend bei.

 

http://kalenderimages.slashcam.de/cal_logo_769.jpgEs herrschte bereits eine Stunde vor Beginn ein reges Treiben vor und im Schauspielhaus. Die Veranstalter konnte ließen sich gut an ihren farblich abgestimmten Outfits erkennen – die Männer in schwarzen Anzügen, mit roter Krawatte und die Frauen in herrlichen roten Cocktailkleidern. (Wir fühlten uns jedenfalls nicht „overdressed“.) Rot war die Farbe des Abends, wie bei der Licht- und Musikshow vor Beginn der Vorstellung unschwer zu erkennen war.



„Steffi gefällt das“, zeigte eindrucksvoll, dass uns keine grausigen „low-budget“ Filme vorgesetzt wurden. Phillip Scholz’ Produktion im Stile eines One Shots, projezierte die Facebook Welt des Protagonisten während seines Weges durch die Stadt. Der schnelle Schnitt und die cleveren Montagen, die den Charakter eines Funklochs besaßen, sorgten beim Zuschauer für ein blumiges Gefühl in der Bauchregion. Auch wenn das Konzept recht einfach, fast schon einfallslos wirkte, war die Umsetzung fantastisch. Allerdings ging die anfänglich subtile Kritik an der Kurzlebigkeit Facebooks und der zynischen Auseinandersetzung mit „Facebookfreunden“ durch das recht plumpe Ende unter: “Veröffentliche nicht alle deine Daten!”

 

„Evolution” hieß der nächste Film. Ohje, wäre die Handlung nicht so voraussehbar, dann hätte der Film auch ganz gut sein können. Die Längen des Films konnten durch den von Georg Jungermann gewollten Effekt des „Wartens“ noch hingenommen werden, die Beleuchtung allerdings nicht. Das Licht war im Vergleich zu den anderen Filmen leider spärlich und wirkte sehr amateurhaft. Uns hat der Humor gefehlt. Insgesamt zog der Film, ohne einen besonderen Eindruck zu hinterlassen, an uns vorbei.

 

Ganz im Gegenteil zu dem Film „Illegale”. Das Regisseuren-Trio Raúl Erdossy, Eric Foinquinos und Phillip Klose beschäftigte sich mit dem Thema Menschenhandel. Ein schwieriges und sehr aufwühlendes Thema: Nicht nur die viel zu seltene Thematisierung in den Medien, sondern auch unser eigenes Bewusstsein verdrängen zu sehr, zu welchen Grausamkeiten der Mensch fähig ist. Der Film litt zunächst unter den billig wirkenden Krankenhausszenen. Im Vergleich zu den überdramatischen Rückblenden hinterließen sie ein sehr fades Gefühl. Trotzdem, nein, vielleicht gerade deswegen, war der Film grandios. Das Ende war dermaßen „mind-blowing“ es hat uns wortwörtlich das Herz herausgerissen. Dieser Abschluss ist es wert, sich durch die Handlungsgräben der ersten 15 Minuten zu schleppen.

 

Etwas schlecht fühlt man sich bei so einem schockierenden Ende, wenn der nächste Film („I have a boat“) beim ersten Satz zum Loslachen auffordert. Nathan Nill lieferte mit seinem Beitrag den kohärentesten Films des Abends. Der trockene, norddeutsche Humor und die lebensnahe Situation des Protagonisten Piet, aufgebaut auf der Beziehung zwischen einem unbeholfenen Kerl und seinem kühlen, unnahbaren Schwarm, bewiesen nicht nur uns eine Meisterleistung, sondern auch der Jury. “I have a boat” gewann den silbernen XXS Preis und ein Preisgeld von 500€. Zu Recht.

 

„Weißt du, was ich mir wünsche?“,  heißt der doppelt prämierte Schwarz-Weiß-Film der Regisseurin Irina Arms. Er gewann sowohl den goldenen XXS Preis mit 750€ als auch den Amnesty International Menschenrechtspreis, welcher mit 1000€ dotiert ist. Ein Film über Rollen und Rollenzwang, welcher auf einer wahren Begebenheit basiert. Durch die eingespielten Kriegsaufnahmen blieb der Film realitätsnah. “Ich wünschte, wir könnten wieder zusammen Musik machen”. Den Rest selbst GUCKEN!


„Mia und der Minotaurus” beeindruckte uns mit einer Mischung aus Zeichentrick und Realfilm. Ähnlich wie in Guillermo del Toros “Pans Labyrinth”, bewältigt das Mädchen die Realität mithilfe ihrer Fantasie. Regisseur Florian Schnell theamtisiert aber nicht den spanischen Bürgerkrieg, sondern auch Drogenkonsum/handel. Die Symbolik ist schlicht, aber schön. Das Labyrinth steht für den Drogenrausch von Mias Bruder. Dieser verlor als Theseus sprichwörtlich den roten Faden im Labyrinth. Interessant war hierbei, dass der eigentliche Held Theseus zwischenzeitlich selbst zum Monster geworden ist. Die Besetzung war hervorragend, auch wenn die Charaktere teilweise überzeichnet wurden. Die Effekte waren so gut, dass man sich mehr auf die nächste Szene des Minotaurus freute als auf die Rahmenhandlung. „Mia“ fand im Labyrinth neben dem Minotaurus auch den Publikumspreis.

 

Ein ,,Philatelist“ beschäftigt sich mit Briefmarken und genau dies war der Title des nächsten Films. Ein ,,Philatelist” beschäftigt sich mit Briefmarken und genau dies war der Titel des nächsten Films. ,,Der Philateslist” hatte ein langsames Tempo, brachte uns so aber mit dem Hauptdarsteller näher ,welcher vermutlich unter Agoraphobie (Angst vor der Außenwelt) litt. So zeigte der Film sehr gefühlvoll, wie ein sich selbst isolierender Mensch durch eine aus dem Fenster fliegende Briefmarke in die Außenwelt zurückgelangen kann. Wie auch seine Briefmarke, die auf das weite Meer herausflog, so beschloss auch er am Ende des Films in die Freiheit zu gehen.

 

Einen verwirrenden Eindruck hingegen vermittelte der Film ,, Ferngesteuert”. Auch wenn die Thematik des Gruppenzwangs kenntlich gemacht wurde, war es dennoch schwierig (v.a. durch die vielen Rückblenden und Lücken in der Rahmenhandlung) das Geschehene nachzuvollziehen. So blieb in der letzten Szene unklar, ob der Protagonist wirklich sein Gewissen erleichtert hatte oder nur seinen Freund provozieren wollte.

 

,,Kleider machen Freunde” war ein Beitrag in Eigenarbeit von Falk Schuster. Der Film bestach sowohl durch seine Narration als auch durch seine Charaktere: Ein Vogel, der Höhenangst hat, und ein Igel, der auf Cosplay steht. Der Film schien anfangs nur an Kinder gerichtet zu sein; Schon bald jedoch erstaunte er uns mit Tiefe und Humor. Ebenfalls überraschend war, dass die Jury sich dazu entschied, ihm den dritten Preis zu verleihen, der mit 250 Euro belohnt wurde.

 

Die insgesamt fabelhafte technische Qualität, die sich durch alle Filme zog, fand sich auch in ,,Damals – Die Geschichte der Welt” wieder. Die schwarzen Steine als Medium für die Bilder überzeugten als einfallsreiche und ausdrucksvolle Idee. Die sogenannte ,,Geschichte der Welt” wurde aber so stumpf erzählt, dass die technische Umsetzung in den Hintergrund trat. Denn die “Geschichte” erzählte nur von neueren Geschehnissen. Natürlich könnte man die geschilderten Werte auf die gesamte menschliche Geschichte übertragen, doch dafür war sie zu oberflächlich. Die fast schon standardisierte Kritik am Kapitalismus und an der Globalisierung regte weder zum Denken noch zum Hinterfragen an, da diese Probleme uns bereits bewusst sind. In den schon angebrochenen Zeiten von Wirtschaftskrise und Fukushima verpasste der Film somit den Zeitpunkt, die Menschen aufzurütteln.

 

Unser Fazit ist: Nächstes Jahr unbedingt (wieder) hingehen!

 

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Kevin

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