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Wir sind Versuchskaninchen!

Genmanipulierte Melone? Wer weiß ...

Die Gentechnik schafft mehr Probleme als sie löst.

Mit dem angeblichen Kampf gegen Hunger rechtfertigen Agrokonzerne ( große Unternehmen die in der Landwirtstaft tätig sind) den Einsatz von gentechnisch verändertem Saatgut in der Dritten Welt. Dieses Argument schieben sie in der Debatte um genetisch veränderte Produkte immer wieder vor, so wie heute in einer Liveübertragung im Fernsehen die ich zufällig mitbekommen habe und das geht mir langsam gegen den Strich.

Nie zuvor haben wir Menschen mehr Nahrungsmittel produziert als heute, dennoch hungern heute eine Milliarde Menschen. 70% aller Hungernden leben auf dem Lande – insbesondere in Asien und Afrika. Was den Menschen dort fehlt, ist der Zugang zu Land, Wasser, Saatgut und einfachen Technologien. Mit Gen-Pflanzen wird bisher ausschließlich Tierfutter und Baumwolle produziert. In Entwicklungsländern konkurrieren sie so mit der Produktion von Lebensmitteln für lokale Märkte. In der Die Gentechnik-Industrie geht es um neue Absatzmärkte. Wenn sich die Gentechnik in der Landwirtschaft durchsetzt, werden künftig noch mehr von uns hungern.

Auf den ersten Blick scheint es auch keine offensichtlichen gesundheitlichen Auswirkungen durch den Verzehr von diesen veränderten Pflanzen zu geben. Das ist nicht verwunderlich. Denn es gibt so gut wie keine unabhängigen Langzeituntersuchungen. Weder Gelder noch das Interesse für die Forschung scheinen ausreichend vorhanden zu sein. Das wundert mich wenig, denn eventuelle negative Ergebnisse würde den Gentechnik-Konzernen schaden.

Die Studien, die für die Zulassungsverfahren in der EU erstellt werden, sind nicht neutral, sondern stammen von den Gentechnikkonzernen selbst. Und diese würden sich ja schlecht selbst kritisieren, dafür sie sind doch zu geldgeil. Die gesundheitlichen Folgen neuer Stoffe treten häufig erst nach Jahren in Erscheinung und lassen sich nur über Langzeitstudien ermitteln. Statt diese durchzuführen, lassen die Gentechnik-Konzerne Millionen von uns ihre Produkte konsumieren. Für die AllergikerInnen unter uns, ist dies sehr problematisch, da diese beim Verzehr von Gen-Lebensmitteln nicht mehr wissen, ob artfremde DNA von Lebensmitteln, gegen die sie allergisch sind, in ihrem Essen sind. Zudem ist unklar, ob Gentechnik-Produkte, die antibiotikaresistente Bestandteile enthalten, bei uns zu Antibiotikaresistenzen führen können. Somit kann niemand wissen, wie sich genmanipulierte Pflanzen langfristig auf unsere Gesundheit und auf die Umwelt auswirken.

Die Kontaminationsgefahr ist ein entscheidendes Argument gegen die Gentechnik in der Landwirtschaft. Vor allem die Imkerei ist durch Gentechnik gefährdet. Bienen kennen keine Sicherheitsabstände und sammeln auch Pollen von genmanipulierte Pflanzen. Imker haben daher besonders Probleme, ihre Honigprodukte gentechnikfrei zu halten. Oder auch der Wind trägt die Pollen von genmanipulierte Pflanzen zu vorher gentechnikfreien Pflanzen. Besonders in landwirtschaftlichen Fahrzeugen und Geräten und bei der Weiterverarbeitung lässt sich die strikte Trennung praktisch nicht durchsetzen und somit überträgt man die ganzen genmanipulierten Eigenschaften. Wenn diese Kontamination bei Wildpflanzen geschieht (z.B. bei Raps) oder wenn die genmanipulierten Erbinformationen ins Saatgut gelangen, ist die weitere Ausbreitung dieser Erbinformationen nicht mehr kontrollier- oder rückholbar. Auch das Wissen über die Auswirkungen von genmanipulierte Pflanzen auf ökologische Systeme ist sehr gering und wie sich der Gentechnik-Anbau auf den Boden auswirkt, oder wie stark sich diese manipulierten Pflanzen mit verwandten Wildpflanzen kreuzen können.

Genmanipulierte Melone? Wer weiß ...

Wir Verbraucher verlieren die Freiheit, zwischen Lebensmitteln mit und ohne Gentechnik wählen zu können, wenn gentechnisch verändertes Erbgut die Ernte von gentechnikfrei wirtschaftenden Landwirten belastet. Die Gurken werden ja nicht plötzlich pink und haben eine Warntafel um, wo drauf steht: „Wir wurden kontaminiert. Lass mich und meine Familie am leben. Bloß nicht essen!“ Hinzukommt , dass diese Kontamination häufig nur schwer und mit aufwendigen Analysemethoden nachweisbar ist.

Weiterer Punkt ist ja, dass seit Generationen Landwirte mit einer Vielfalt von Pflanzen, die den jeweiligen Umweltbedingungen wie Trockenheit oder Kälte angepasst wurden, arbeiten. Die Einstellung auf den Klimawandel muss also zusammen mit den Landwirten und ihrem lokalem Wissen gemeistert werden. Der Klimawandel stellt zurzeit aber der Landwirtschaft in vielen Regionen einige Herausforderungen darzu viel. Also können wir doch mit Gentechnik schneller und besser neue Sorten entwickeln, die z.B. gegen Überschwemmung, Dürre, Versalzung oder neue Schädlinge widerstandsfähig sind und zudem höhere Erträge liefern. Warum sollte man auch was gegen Spinnen-Gene in der Kartoffel und Ratten-Gene im Salat haben? Und nein das sind keine von mir ausgedachte Horrorfantasien, sondern tatsächliche Produkte aus dem Gen-Labor. Dabei kann niemand abschätzen, welche Folgen die Eingriffe ins Erbgut für Gesundheit und Umwelt haben. Die Wissenschaftler können weder den genauen Ort, wo das Gen in die Pflanze eingebaut wird, noch die Wechselwirkungen mit anderen Genen gezielt steuern. Kein Wunder, dass es beim Anbau von Gen-Pflanzen immer wieder zu überraschenden Nebenwirkungen kommt: Die Stängel von Gen-Soja platzen bei Dürre und Hitze auf oder genmanipulierte Äpfel reifen zum falschen Zeitpunkt. So lässt man Jahrzehnten gewaltige Geldmengen in die Gentechnik-Forschung fließen, aber bis jetzt ist noch keine Gen-Pflanze auf dem Markt, die den Anforderungen wie Dürre oder Überschwemmung übersteht.

Bei der Diskussion um die Vor- oder Nachteile der Gentechnik im Bereich Landwirtschaft wird oft vergessen, dass durch den Anbau von Gentechnik-Pflanzen erhebliche Folgekosten für die gesamte Gesellschaft entstehen. Neben den Kosten für Sicherheitsforschung, Zulassungsverfahren, Überwachung des Anbaus und der gesetzlichen Regelungen, tragen die Hersteller und Verarbeiter von gentechnikfreien Lebensmitteln erhebliche Kosten. Denn um die Produkte gentechnikfrei zu halten, müssen Hersteller erheblichen Aufwand betreiben, wenn in der Nachbarschaft gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut werden: Prüfung des Betriebes, Reinigung, Prüfung bei getrennte Nutzung der Erntemaschinen, Kontrolle der Produkte auf Gentechnik-Freiheit u.v.m.. Also wäre es viel einfacher den ganzen Aufwand sein zu lassen und die ganzen Geldsummen an die Entwicklungsländern zu spenden, aber natürlich geht das nicht, da die Unternehmer Profit wollen bei der ganzen Aktion.

Zahlreiche Studien zeigen, dass zwar in den ersten Jahren des Anbaus von Gentechnik-Pflanzen zum Teil weniger Spritzmittel auf den Äckern landen, nach einigen Jahren kommen jedoch häufig mehr Gifte zum Einsatz. Der massive Einsatz von Spritzmitteln zerstört die biologische Vielfalt; es gibt also weniger Wildpflanzen und in der Folge weniger Insekten und Vögel in der Landschaft.

Gigantische multinationale Konzerne führen im Moment also ein gefährliches globales Experiment durch, indem sie in großem Maßstab genetisch manipulierte Nahrung in unsere Lebensmittelversorgung einzuführen versuchen. Da Genmanipulationen zu unvorhergesehenen schädlichen Nebenwirkungen führen können und da gentechnisch veränderte Nahrungsmittel nicht hinreichenden Tests unterzogen werden, um diese auszuschließen, gefährdet dieses Experiment nicht nur die Gesundheit des Einzelnen, sondern kann auch zu nationalen oder sogar globalen Nahrungsknappheiten und Gesundheitsbedrohungen führen. Die Gesellschaft einer solchen Gefahr auszusetzen, kann durch nichts wissenschaftlich gerechtfertigt werden, auch nicht mit dem Ziel der Sicherung der Nahrungsmittelversorgung der Menschheit. Den Nutzen hat alleine die biotechnische Industrie, die damit kurzfristige kommerzielle Gewinne auf Kosten der Gesundheit und der Sicherheit der gesamten Bevölkerung erzielt. Eine Einmischung in den Genetik der Nahrung ist waghalsig, rücksichtslos und bedeutet eine ernste Gefahr für das Leben auf der Erde.

1 Kommentare

  1. Ein sehr guter Artikel. Ich stimme voll und ganz zu, dass aus blosser Habgier solche Genexperimente, die letztendlich bisher nur negatives gebracht haben, nicht zu unterstützen sind. Danke für diesen Artikel, dadurch sind viele Aspekte, an die man sonst bei Genmanipulationen nicht immer denkt, hervorgetreten.

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