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Von Klausuren und Katzenbabys – ein FAKE!

Katzenbaby

Es mag sich komisch anhören – aber ich habe früher gern Hausaufgaben gemacht. Wirklich! Bis zur 8. Klasse oder so bin ich, wenn ich nach Hause kam, direkt in mein Zimmer gerannt und hab alles voller Freude erledigt und danach erst gegessen. Bei den meisten Kindern hält das ja so ungefähr bis zur Mitte der ersten Klasse an und dann kommt der Schulmuffel durch, der von den Eltern zum Lernen gebracht werden muss, dann aber mehr oder weniger erfolgreich ist. Bei mir komischerweise nicht. Dabei war ich nie wirklich strebsam oder ehrgeizig, im Gegenteil, ich bin eigentlich ziemlich faul. Aber Matheaufgaben lösen hat mir Spaß gemacht, genauso wie Geschichten schreiben oder all die anderen lustigen Dinge, die man in dem Alter macht. Das Praktische daran war, dass ich deshalb nie für Tests lernen musste.
Das Unpraktische daran war, dass meine Faulheit irgendwann gesiegt hat und dass ich bis heute keine Ahnung hab, wie man irgendwas für die Schule tut. So sitze ich jetzt hier, Abitur in Sichtweite, Klausur morgen, nix gelernt, Computer ist an und ich schaue mir irgendwelche unsinnigen Hipster-Videos auf Youtube an, stopfe mich mit Marshmallows voll und stehe nur auf, wenn mein Fuß mal wieder eingeschlafen ist. Vielleicht sollte ich mal vorsichtshalber in meine Unterlagen schauen? Immerhin zählt das morgen die Hälfte meiner Note? Ach was, ich kann das Meiste von meinem Gekrakel eh nicht lesen und außerdem schreibt mir gerade Freund XY, den ich schon seit zwei Stunden nicht mehr kontaktiert habe. Der hat das Hipster-Video übrigens auch noch nicht gesehen. Da hat man doch direkt wieder ein Thema zum diskutieren.
Zwei Stunden später fällt mir auf, dass ich immer noch überhaupt nicht weiß, wie das ganze eigentlich funktioniert, was ich morgen in der Klausur können muss. Fragen wir besagten Freund doch mal (mittlerweile schaut man sich Katzenbilder an und kommentiert diese mit “Omg – wie süüüüüüüß!” und “Knuddelpuddelwuuuh!*-*”). Es wird ein Wikipedia-Artikel zum Thema verlinkt. Er bleibt ungelesen in einem anderen Tab geöffnet. Immerhin ein Anfang. (Dass ich kein Stück weiter bin, ist egal – der Wille zählt schließlich!)
Irgendwann verabschiedet sich besagter Freund mit den Worten, er würde jetzt schlafen gehen. Ich schau auf die Uhr. Ich gähne ebenfalls. Ich öffne den Wikipedia-Artikel doch noch und lese den ersten Satz. Ich gähne erneut und muss die Augen angestrengt aufhalten. Ich lese den zweiten Satz. Ich lese den zweiten Satz nochmal. Ich gähne schon wieder und zucke auf, nachdem ich kurz zusammengesackt bin. Ich fange von neuem an, verstehe aber nicht einmal das erste Wort. Ich gähne und schlafe letztendlich ein.
Am nächsten Morgen hat sich der erste Satz in den Kopf eingeprägt. Mehr aber auch nicht. Jetzt noch eine halbe Stunde zum Duschen und Essen, da könnte man doch nebenbei noch…, oder?! Schnell das Heft geschnappt, die letzte Seite überflogen. Ne. Geht nicht rein. Ach, in den ersten beiden Stunden kann man sich das Ganze doch nochmal anschauen, fächerübergreifender Unterricht wird ja jetzt so hoch gelobt. Es ist Winter. Es ist dunkel. Dunkel heißt Schlafen. Schlafen heißt nicht Lernen. Und Schlafen ist wichtig. Sagt mein Hirn.

In der Klausur bin ich wach. Und ich kann sogar was auf mein Papier schreiben. Den ersten Satz vom Wikipedia-Artikel.
Immerhin habe ich teilweise noch Lehrer, die mich aus der 8. Klasse kennen. Die denken, ich renne immer noch  direkt nach der Schule zum Schreibtisch und beteilige mich hochmotiviert am Unterricht. Da interpretiert man in den Wikipedia-Satz schon mal einen extremen Grad an Hochintelligenz, der auf jeden Fall eine gute Note verdient hat. Juhu, mein Abi ist gerettet!
(Denen im Job kann ich ja erzählen, wie viel Ahnung ich von Katzenbabys habe. Überzeugt die bestimmt von meinen vielseitigen Kompetenzen!) 

“Tauben im Gras ist der erste Roman aus Wolfgang Koeppens Trilogie des Scheiterns.”
…Jo, das zeugt von meiner fachlichen Kompetenz!

 

 

 

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