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Vom Döner Deluxe zu Lanz kocht! Und Schüler waren auch dabei.

Schülerinnen der Hauptschule Westerfilde mit ihren "Westerfilde Burger"

„Bei der […] Kostprobe können die Gäste am eigenen Gaumen das Ergebnis erleben.“ Gut ich gebe es zu, überall wo man etwas probieren kann bin ich dabei. Aber das Erzählcafe am 23.9. lockte nicht nur mit Häppchen. Der einzige türkische Sternekoch Ali Güngörmüs, Inhaber und Chefkoch des Le Cenard Nouveau, bekannt durch „Die Küchenschlacht“ und „Lanz kocht!“ beglückte uns mit seiner Anwesenheit und erzählte etwas über den Beruf Koch, das Kochen und die Ernährung.

 

Als eingefleischter Küchenschlachtfan durfte ich mir das natürlich nicht entgehen lassen. Und begab mich, wieder einmal an einem schönen Sonntag Nachmittag, zum U view. Nach einer freundlichen Begrüßung der Veranstalter, die bestimmt dachten: „Der schon wieder.“ , erblickte ich eine Theke voller Häppchen und dahinter ein fleißiges Treiben. Schüler und Schülerinnen der Hauptschule Westerfilde bereiteten mit sichtlicher Freude an der Arbeit Häppchen vor.  Sie würden  sogar an zusätzliche Stunden außerhalb der regulären Schulzeiten teilnehmen, berichtete ihre Hauswirtschaftslehrerin, weil diese Klasse das Kochen liebe.   Thunfisch- und Dattelcreme Häppchen und kleine Hamburger  wurden uns aufgetischt. Und sie waren gut

Aber gehen wir Schritt für Schritt. Die Runde setzte sich zusammen aus dem Moderator Jörg Thadeusz, zwei Schülern der Hauptschule Westerfilde, ihrer Hauswirtschaftslehrerin und natürlich Ali Güngörmüs. Diesmal wurde die Bestuhlung eleganter gelöst als bei der Podiumsdiskussion zum Thema Heimat. Ich war nicht mehr ständig geblendet vom Licht und sah dadurch nicht mehr nur die Silhouetten der Diskutanten. Ich konnte sogar die Mimik erkennen, sofern keine Köpfe im Weg waren. Das Podest war leider etwas klein.

Nach der obligatorischen Biographie Güngörmüs’, womit dann auch das Thema Türkei abgeschlossen war, ging es um den Beruf Koch. Güngörmüs berichtete von seinem regelrecht gemeinen Souchef (zweithöchste Koch) und vom rauen Umgangston in der Küche. Aber, wenn man dem Druck gewachsen sei, könne man auch Vieles erreichen. So hat sich Güngörmüs Etappenziele gesetzt, die darin endeten, dass er mit spätestens dreißig ein eigenes Restaurante eröffnet haben wollte. Wie man sieht ist es ihm gelungen. Allerdings berichtete er uns auch, dass die Abbrecherqoute bei den Auszubildenden bei 70% läge. Auch die Aussteigerqoute, also der Berufswechsel nach der abgeschlossenen Berufsausbildung, sei ziemlich hoch. Dies träfe nicht nur bei den Köchen zu, sondern auch bei den Servicekräften. So sagte er bitter, dass er immer auf der Suche nach neuem Personal wäre und  und sich Gedanken darüber mache , ob er als Chef daran schuld sei. Aus eigener Erfahrung als ehemalige Kühenhilfe kann ich sagen, nein. In jeder Küche herrscht Zeitdruck und  in jeder Küche müsse man auf Wochenenden verzichten, vor allem wenn es an Personal fehlt. Der Unterschied ist, dass bei der Sternenküche ein unglaublicher Leistungsdruck bei jeden Angestellten herrscht. Den Michellin Stern zu gewinnen reicht nicht, man muss ihn auch halten können und man weiß nie genau, wann der nächste Kontrolleur auftaucht und versucht gerade deshalb auch jedes Gericht perfekt zu machen. Güngörmüs sagt, zehn Stunden Tage wären normal, aber ich sage in der Wirklichkeit geht die Arbeitszeit meist darüber hinaus.

Die Diskussion wurde begleitet von, mit Tabletts voller Köstlichkeiten und Servietten, bewaffneten SchülerInnen und einem ständig zum Besten gegebenen”Das stimmt!” von der Dame hinter mir. “Die Kochausbildung ist hart.” “Das stimmt!”; “Man kann auch mit saisonalen Produkten arbeiten. Das ist billiger.”; “Das stimmt!”; “Ein guter Koch muss auch ohne Maggie zurecht kommen.” “Das.. ist richtig!”

Ja, da war noch diese Sache mit dem Maggi. Eine heutzutage fast schon routinierte Diskussion um Geschmacksverstärker und Zusatzstoffe im Essen. Wir wissen, dass es schlecht ist und trotzdem lieben wir Deutschen es. Obskur machte es aber vor allem Güngörmüs Vergleich: In Deutschland gibt es den neuen Trend, Star- und Hobbyköche beim Zubereiten von gesundem Essen zuzusehen. Aber was isst man während der Sendung? Tiefkühlpizza die man vorher in den Ofen geschmissen und pünktlich zum Showbeginn fertig rausgenommen hat. Ich muss gestehen, auch ich bekenne mich dieses Fauxpas!

Zum Abschluss möchte ich von den “Geheimgewürzen” sprechen mit den man angeblich jede Frau rumkriegt. “Safran, Zimt, Koriander. Dann ist die Sache geritzt. Dann ist die Frau fällig.” (Gut, dass es keine Veranstaltung der Gleichstellungsbeauftragten war). Also hier mein Vorschlag dazu:  Ein Salat mit Zimt-Chili Dressing, ein Thai Curry auf Koriander Basis und zum nachtisch Safran Eis. Jungs, jetzt wisst ihr bescheid. Dankt mir später.

1 Kommentare

  1. Annika sagt

    da wär man doch gern dabei gewesen. Wer kennt das nicht, sich vom Fernsehkoch erzählen lassen, wie gesunde Ernährung funktioniert, sich vornehmen es selbst mal zu versuchen und dann im Supermarkt doch nicht wiederstehen können und zum Bereich der Fertigessens zu gehen. Schmeckt nicht besonders gut, geht aber schnell und ist einfach. Probiert man dann aber mal die Frühlingsrollen eines Asiaten, der privat kocht, merkt man den Unterschied und die TK-Produkte oder der Fastfood-Franchiser um die Ecke werden uninteressant. Daumen hoch für diesen gut geschriebenen Artikel, der einen schmunzeln lässt und zum Abschluss kommt: “Das stimmt!”

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