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Über die naive Narrative

Passend zum Kinostart des neusten Twilight Films, beschäftige ich mich mit den Thema: Die Narrative in Medien. Der Grund ist simpel. Die gängigen Handlungskonzepte und Erzählstruktur sind langweilig.

Langweilig wieso?

-Die Charaktere erleben vielleicht Erfahrungen in Größe eines Ozeans, aber ihre Persönlichkeit bleibt so tief wie ein Teich.

-Die Handlung ist zu vorhersehbar! Ich brauch nicht einmal ein Beispiel, denn wer kennt das System nicht? „Held ist zunächst unscheinbar, gerät irgendwie in eine Intrige. Einer der Engsten ist ein Verräter. Gewöhnlich Derjenige, der bereits düster aussieht. Und in politischen Szenarien ist das meist der Vize Minister oder so was. Der Held stürzt in einen Abgrund, trifft die Heldin, sie mag ihn anfangs nicht, verliebt sich aber. Am Ende besiegt der Held den Bösewicht und Happy End.“

-In den visuellen Medien wird zu viel Wert auf Special Effects und Schönheit der Charaktere gelegt als auf Qualität und Kohärenz

Letztendlich sind diese Faktoren dafür verantwortlich, dass das Geschehene nicht real wirkt, bzw. real für die geltende Welt. Von Charakterentwicklung haben die heutigen Hollywood Regisseure oder Autoren von Belletristik Romanen wohl noch nichts gehört. Aber kann man wirklich ihnen die Schuld geben für diesen Schund? Letztendlich sind WIR es die so etwas kaufen. Und auf den Markt wird nur angeboten was nachgefragt wird.

 

Über weibliche Chraktere

 

Ich zeig es euch mal an Beispiel der passiven Frau:

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Wie sehen Heldinnen in Hollywood Produktionen gewöhnlich aus? Ja! Zunächst sind alle Supermodels und Wissenschaftlerinnen oder ähnliches. Das ist schon mal ganz wichtig. Dann ist es auch noch super wichtig, dass diese trotz ihrer tollen akademischen Leistungen wohl die offensichtlichsten Dinge nicht bemerkt. Außerdem besitzt sie über ein Gefühlsspektrum eines Wasserfarbkastens, bei dem nur noch die zwei hässlichsten Farben übrig geblieben sind. Aber das schlimmste ist, sie läuft nur den männlichen Protagonisten hinterher und besitzt keinen eigenen Denkapparat.

Ein Artikel auf moviepilot.de beschreibt dies so am Beispiel von Märchenfilmen:

„Problematisch an der Darstellung weiblicher Charaktere ist darüber hinaus die starke Betonung äußerer Schönheit mit der einhergehenden Vernachlässigung weiblicher Handlungskompetenzen. So besticht beispielsweise Schneewittchen einzig durch ihr Aussehen. Ihr Schicksal liegt jedoch gänzlich in den Händen der Männer: Gutmütige Jäger und Zwerge sowie ein heldenhafter Prinz retten sie vor der bösen Stiefmutter. Belle macht keine bessere Figur. Brav erduldet sie das cholerische Biest, bis dieses sich endlich in einen vorzeigbaren Schönling verwandet. Und Arielle gibt gleich ihre Stimme gänzlich ab, um ihren Prinzen alleinig mit dem Körper zu betören.„

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Beispiele für unausstehliche Heldinnen? Dr. Reed in Evolution, Kate und Shannon in Lost, Buffy, Electra, Bella in Twilight, Vivian in Pretty Woman, Die Tante die Megan Fox spielt in Transformers , Fifty Shades of Grey als ganzes sowie Feuchtgebiete, Hermine in Harry Potter , Ashley in Resident Evil und jeder Angelina Jolie Film. Nicht zu vergessen die ständig kreischenden Biat… eh leicht angezogenen Frauen in den Horrorfilmen.
Gott, bitte lass das enden!

 

Das Schlimmste ist, dass jetzt zunehmend nicht nur weibliche Charaktere sexualisiert werden sondern auch männliche. Habt ihr jemals einen The Rock Film gesehen, indem er sich nicht umgezogen hat? Ist das wirklich ein Fortschritt im Sinne der Emanzipation? Das ist ein Tiefpunkt und zeigt wie verkorkst unsere Genussgesellschaft geworden ist. Vor allem weil es sich auch in den Printmedien ausbreitet seit dem massiven Erfolg von Feuchtgebiete und Fifty Shades of Grey.

 

Über die Vernachlässigung der Welten

 

Ich bin etwas vom Thema abgekommen, aber ein guter Moment um auf die Handlung zu kommen. Dass die Handlungen in einer Bredouille stecken ist keine Neuigkeit. In allen Genres gibt es kaum noch Innovationen, was eigentlich schade ist, weil die Welten meist interessant genug sind um diese zuzulassen. Der goldene Kompass und Harry Potter sind gute Beispiele. Beide Film- und Buchreihen bieten eine fantastisch große Welt. Spätestens nach dem ersten Harry Potter Film hat jeder Schüler mal daran gedacht wie es wäre zu dieser Schule zu gehen. Doch wir haben bei beiden Reihen eine zu tiefe Versteifung auf die Protagonisten, sodass das Potential der Welten nicht einmal annähernd ausgenutzt wird. Man könnte als Gegenargument nennen: „Na, aber der Plot muss doch weitergehen!“ Wer die Harry Potter Bücher gelesen hat, weiß, dass des öfteren der Unterricht beschrieben wurde oder Hogsmade. Das war möglich das jedes Harry Potter Buch einen langsamen Erzählstil hatte, wodurch der eigentliche Plot meistens erst in der zweiten Hälfte des Buches in den Vordergrund tritt. Also wären Nebenhandlungen doch ebenso möglich. Z.B. eine Paralelgeschichte in einer anderen Schule die dann irgendwie zusammenlaufen könnte?

Man hätte so viel aus dieser Welt raus holen können, doch stattdessen wurde man mit einem fürchterlichen Teenie-Melodrama und ein Klischee Ende im letzten Buch zurückgelassen, was man auch nicht damit begründen kann, dass es eine Jugendreihe ist.

 

Über die Situation in Videospielen

 

Die Situation in den Videospielen ist allerdings prekärer. Durch die Annäherung zum Film und das Interesse einiger Filmemacher an den aufstrebenden Medium, wurde die Erzählform immer aktiver, sodass der Spieler sich immer passiver fühlt. Immer mehr Szenen werden vorprogrammiert, wie in den kürzlich erschienen Black ops 2 zu sehen ist. Voice Acting überschreibt unseren Charakter und macht ihn nicht zu einem selbst sondern zu einer Figur, der man zusieht. Das bedeutet ein Verlust von Interaktivität, was Spiele zu Spiele machen.
 
Die Narrative in Spielen war immer eine simple, die Dialoge waren keinesfalls episch. Man hatte simple Auswahlmöglichkeiten und war meistens stumm. Doch eben dieser Minimalismus gab uns Platz für unsere eigene Fantasie, gab uns Platz für eine Identifikation mit den Helden. Und machte so aus einer simplen Geschichte eine epische, weil es seine eigene Geschichte war.
Ich möchte keine 20 Minuten langen Zwischensequenzen sehen oder von einen vorprogrammierten Gegner besiegt werden, obwohl ich lvl 99 bin nur weil es die Geschichte so will. Man kann nur hoffen, dass dieser Trend nachlässt und nicht zum nächsten Hollywood Opfer werden.

 

Über Special Effects und Kameraführung

 

Wenn wir die zwei Schritte oben überspringen und denken, dass die Charaktere nicht besser wirken können, wegen den begrenzten Möglichkeiten der Schauspieler und die Handlung nicht verändert werden kann, weil sich sonst die Geschichte nicht verkauft, was bleibt dann noch um beispielsweise einen guten Film zu machen? Ganz einfach: Wie man den Film macht.
Grundsätzlich sieht man leider nur noch neue Einstellungen in Independent Produktionen. Methoden wie Monologe, Standbilder, harte Schnitte etc. Wie oft wird so etwas noch benutzt? Wir haben harte Schnitte nur noch bei Verfolgungsjagden und Standbilder bei Krimis (z.B. der Tatort). Warum nicht einmal umdrehen um Frische reinzubringen? Und harte Schnitte beim Krimi machen und Standbilder bei Verfolgungsjagden? Klingt lächerlich? Wieso? Weil es nicht normal ist?
Vielleicht sollte die Kamera auch nicht immer die wunderschönen Protagonisten im Bild haben, sondern ihre Umgebung. Was sehen sie? Wie sehen sie es? Oder wie leben sie? Ein Perspektivwechsel.
Bleiben wir beim Beispiel der Verfolgungsjagd: Wäre diese nicht auch Interessant aus der Perspektive eines Passanten zu beobachten und nicht aus der Sicht des Gejagten oder des Jägers? Wie reagiert die Umwelt darauf? Vielleicht versucht dieser Passant ja zu intervenieren?
Warum sollten Filme nur Porträts von den Hauptdarstellern sein? Wie wäre es wenn wir den Hauptdarsteller in der ersten Szene sterben lassen und nur die „langweilige Umwelt“ abbilden? Wäre auf jeden Fall besser als jeder Angelina Jolie Film.
Ebenso dürfen Special Effects und Action nicht den ganzen Film verschlingen, wie z.B. bei Expandables 2. Auch hier können wir das Ganze mal umdrehen. Warum machen wir keine Special Effects bei Dialogen z.B. Ausblendung des Hintergrund in völlige Schwärze? Oder eine Explosion bei einem Wutausbruch? Zu Avantgarde?

 

Aber so ist der Mainstream, er wird nichts Neues ausprobieren, er wird nur etwas assimilieren, was sich aus den Nischenkulturen herausfiltert und gut verkauft. Wie der „Aufstieg“ der Vampirromane der letzten paar Jahre.

Das Einzige, was man tun kann ist diese Dinge nicht mit einem Kauf der DVD, Spiels, Buch oder eines Kinobesuchs zu unterstützen. Und vielleicht wird diese naive Narrative in einer besseren Zukunft ausgestorben sein.

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