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Smartphones – Fortschritt oder Verblödung? – Kontrolle oder Verzweiflung?

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Welcher Jugendliche kennt es noch, das Leben ohne „Smartphone“? Wohl kaum noch jemand..

Die kleinen Elektrogeräte, die uns sicher und kontrolliert durch den Tag bringen. Helferlein, die uns auf Kommando alle möglichen Daten und Auskünfte um die Ohren werfen. Wann kommt der nächste Zug? Wie viele Einwohner hat Dortmund …und, und, und. Doch sind sie wirklich immer eine Hilfe für uns, eine Stütze? Haben wir nicht die Selbstkontrolle verloren, indem wir unsere ganze Verantwortung an diese technischen Meisterwerken abgeben?

Neulich in der Stadt:

Mein Nacken überdehnt, der Kopf nach vorne gerichtet, Augen und Finger fixiert auf den Bildschirm – es schmerzt! Angespannt warte ich auf die Antwort meiner Freundin – „Mensch da sind zwei blaue Haken, die hat das doch gelesen!“, denke ich mir. Schnell schwanken meine Gefühle und die Freundschaft zwischen Hass und Liebe. Während ich noch immer sehnsüchtig auf eine Botschaft warte und dabei gerade das „wichtige“ Geschehen der vertretenden Prominenz im Dschungel über Twitter verfolge, stolpere ich über eine Horde anderer von Smartphones gesteuerten „Maschinen“. Sie machen mir Angst. Sie scheinen ihren Verstand ausgestellt zu haben, als stecke ihre ganze „vorhandene“ Intelligenz nur in ihren High-End Geräten, mit denen sie durch die Gegend stolzieren. Sie umzingeln mich, wollen mein Smartphone, ich versuche zu flüchten. Angsterfüllt gebe ich es ihnen, bin verzweifelt. Naja gut, mir ist nix passiert, ich brauche eh ein neues Gerät, das Dingen ist ja auch zu langsam und peinlich. Und so ein neues Statussymbol würde auch ordentlich was daher machen, dachte ich mir.

Am nächsten Schaufenster lächelten mich die glänzenden und strahlend neuen Smartphones an. „Boah das muss ich haben!“ Rein in den Laden und alles ausprobiert. Jelly Bean, KitKat und LolliPop, klingt ja schon mal gar nicht schlecht. Doch wie soll ich das finanzieren? Erstmal heißt es wohl abwarten bis zum nächsten Geburtstag. Nachdem mich die ersten Tage ohne Handy plagten, kam ich langsam aber sicher zur Ruhe. Einfach mal abschalten, einfach mal nicht erreichbar sein. Das was ich seit Langem doch so vermisst habe ist Wirklichkeit geworden. Doch schon am ersten Abend macht es sich bei mir bemerkbar. Es ist 20.44 Uhr, Günther Jauch stellt die nicht allzu schwere 100€ Frage in seiner Quiz-Show :

Wie heißt die Hauptstadt Australiens?

Noch bevor die möglichen Antworten aufgelistet werden, verfalle ich in mein Loch zurück. Ich will mein Handy aus der Hosentasche zücken und die richtige Lösung herausfinden. Die Antwortmöglichkeiten werden aufgedeckt. Ich bin mir nicht sicher… Sydney? …Melbourne? …Canberra? ..oder war es doch Brisbane? Da bemerke, dass mein Handy ja gar nicht mehr vorhanden ist. Ich schaffe es nicht mehr meinen Menschenverstand einzuschalten und mal nachzudenken! In meinem Kopf ist funkstille. Habe ich etwa im Erdkunde Unterricht nicht aufgepasst? Oder kommt es vielleicht doch vom ewigen Starren auf jeden der einzelnen Pixel.

Erstmal Werbepause – also schnell den Laptop angeschmissen und gegoogelt. Die Lösung bekomme ich wie gewohnt nach ein paar Sekunden. „Achja, wusste ich´s doch!“, geht es mir durch den Kopf.

Nebenbei erscheint auf der Seite eine kleine Anzeige: „Gewinnen Sie ein iPhone 6“. Mir laufen die Schweißperlen von der Stirn runter ins Gesicht, ich werde nervös. Ich kann nicht widerstehen, nehme am Gewinnspiel teil, obwohl ich solche Aktionen immer nur naiven und verblödeten Leuten zugeordnet habe, für solche, wie ich es auf einmal bin. Wie es das Schicksal wollte bin ich der „glückliche Gewinner“. Eine Woche später klingelt es an der Tür, es ist der Postbote der mir meinen Gewinn bringt. Schnell ausgepackt, Apps eingerichtet und los geht´s! Alles wie früher, nur noch besser, schneller und schöner!

„Ach was ist das doch schön mit so einem Gerät!“

Ich bin wieder schlau, kann meine Schüchternheit damit überspielen und das Wichtigste: Ich bin wieder beliebt! Ich gehöre dazu!

Bald ist dann auch endlich mein Geburtstag, dann bekomme ich wenigstens hunderten von SMS, satt diese mickrigen drei Anrufe letztes Jahr. Und ein Smartphone brauche ich mir jetzt auch nicht mehr wünschen.

Von Nils

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