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Schienenersatzverkehrsbusse

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Ich fahre Bahn. Nachts. Alleine. Als Frau, die weiß Gott nicht so aussieht als könnte sie sich wehren – gegen den Regenschauer, denn sie hat natürlich keine Jacke dabei.
Ich stehe sonntags abends um zehn vor zwölf am Bahnhof Wanne-Eickel und warte 20 Minuten auf meine Bahn. Allein. Ich werde angesprochen von einem Menschen mit augenscheinlich arabischer Herkunft. Der Akzent in dem gebrochenem Deutsch welches er mit mir spricht lässt auch darauf schließen. Er fragt wie er nach Dortmund-Mengede kommt, denn auf den Anzeigen steht etwas von einer Baustelle. Wir gehen gemeinsam zu einem der aushängenden Pläne und ich zeige ihm wo die Schienenersatzverkehrsbusse halten.
Wieder allein. Nachts. Mit Portemonnaie und nicht traumatisiert. Ich kehre zurück zum Bahnsteig und warte die restliche Zeit auf meinem Zug. Mit mir warten mehrere Männer. Jeder für sich und allein. Ich suche mir einen Platz allein, ich verbringe die Fahrt allein und in Dortmund steige ich alleine aus dem Zug. Zur U-Bahn laufe ich auch alleine. Nachts. Ich steige alleine aus der Bahn, ich laufe alleine durch die dunklen Straßen. Nachts. Ich komme alleine nach Hause. Nass vom Regen vor dem ich mich nicht schützen konnte.
Ich trug kein Pfefferspray mit mir und mein Akku war alle. Ein „viel Glück“ oder „pass auf dich auf“ brauchte ich nicht. Auf mich aufgepasst hab ich nicht besonders, was auch immer das heißen mag. Mein Verhalten hab ich zumindest nicht geändert, wieso auch. Ja, ich mache so was öfters und nein, ich hatte kein Glück. Das ist Normalität. Ja, auch im Ruhrgebiet und nicht nur in irgendwelchen kleinen Dörfern. Vielleicht ist mein Verhalten naiv und es gibt viele Frauen und Männer die anderes erlebt haben. Nur sind das Ausnahmen. Es ist schrecklich, verwerflich und nicht wieder gut zu machen. Aber es sind Ausnahmen. Trotzdem möchte ich nicht damit anfangen Menschen erst einmal zu unterstellen, dass sie mir böse gesinnt sind. Erstens, weil ich die Welt einfach nicht als so negativ sehen möchte und zweitens, weil ich das für sehr gefährlich halte. Es würde mich sehr einschränken. Früher zuhause sein bedeutet entweder mich nur in einer begrenzten Region bewegen zu können oder aber viel früher den Heimweg anzutreten. Nicht mehr alleine zu fahren würde bedeuten immer jemanden zu finden der mit einem fährt. Wenn aber niemand Lust hat mit mir Freunde in Köln zu besuchen? Soll ich dann zuhause bleiben? Was sendet das für ein Zeichen in die Welt? Damit sind weniger Frauen abends unterwegs und die die es sind werden negativer betrachtet. „Was macht die um diese Uhrzeit draußen, die legt es wohl darauf an.“. Genauso ist es nicht. Wir können alle anfangen mit Pfefferspray rum zu laufen, aber was ist mit denen die es nicht tun? Sind die dann selbst Schuld wenn sie überfallen werden? Bedeuten mehr Waffen mehr Sicherheit? Schauen wir doch mal in die USA und denken dann noch mal darüber nach. Ich möchte nicht eingeschränkt sein nur weil ich eine Frau bin und ich bin nicht schützenswerter als ein Mann. Wir haben alle die gleichen Rechte, warum schränken wir uns dann ein?

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