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Poetry Slam im FZW

Der Poetry Slam im FZW hat schon eine etwas längere Tradition: zum 23. Mal fand er am 11.11.2015 statt. Allerdings an diesem Mittwoch nicht wie gewohnt in der ersten, sondern stattdessen in der zweiten Woche des Monats. Einlass war um 19:15 Uhr – um Acht sollte es dann losgehen. Naiv wie ich bin verabredete ich mich für zwanzig vor Acht mit Freunden vor dem FZW. Wie eigentlich fast immer – Schande über mein Haupt – kam ich zu spät. Allerdings nur zehn Minuten … das liegt ja noch unter der akademischen Viertelstunde … das ist ja eigentlich noch vertretbar … zumindest ein bisschen. Überraschenderweise empfingen mich vor dem FZW nicht fünf halb genervt, halb belustigte Gesichter, sondern eine Masse an Menschen in der Formation einer Schlange. Einer riesigen, ungeheuerlichen Schlange, welche mir zu allem Überfluss auch noch recht unbeweglich erschien. Hatte ich mich vielleicht vertan? Tritt im FZW vielleicht irgendeine Band auf und der Poetry Slam findet an einem ganz anderen Ort statt? Um eine Antwort auf diese Fragen zu bekommen, wandte ich mich an die nächstbeste Person und sprach sie an. Nein, natürlich zog ich mein Handy aus der Tasche und rief meine Freunde an, schließlich befinden wir uns im 21. Jahrhundert.
Nach ein wenig Winken und Hüpfen finde ich meine Freunde schließlich und stelle mich zu ihnen in die Schlange. 5 Minuten vergingen… 10 Minuten vergingen… 20 Minuten vergingen… und endlich, nach fast einer halben Stunde Wartezeit, betraten wir die heiligen Hallen des Poetry Slams – oder so ähnlich. Dass die Poetry-Slam-Menschen nett sind ist nicht einfach nur ein Vorurteil. Es zeigte sich unter Anderem darin, dass sie Rücksicht nahmen und warteten bis auch der letzte Besucher die Halle betreten hat. Also hatten wir sogar noch Zeit, uns Plätze zu suchen. Wir fanden sie sogar. Hinten. In der letzten Reihe. Neben den Technikern. Da die Bühne allerdings recht hoch ist, kann man trotzdem ganz gut sehen. Laute Musik und grelle Bilder auf einer Leinwand, welche die Rückseite der Bühne bildet, verkürzten die Wartezeit bis zum Beginn. Poetry Slam ist In und Angesagt, wir haben es verstanden.
Jan Philipp Zymny und Jason Bartsch sind die Moderatoren des Abends und führen mit viel Witz und viel Liebe durch die Veranstaltung. Die weitgereisten Slammer sind alle überzeugend. Es treten dreimal zwei Slammer gegeneinander an, der jeweilige Sieger kommt dann ins Finale. Schade ist allerdings, dass Aylin Celik und Fatima Talalini mit ihren gut geschriebenen, aber leider nicht all zu humorvollen Texten, nicht weitergekommen sind. Das ist aber einfach dem Format geschuldet, schließlich möchte man unterhalten werden. In der Pause zwischen Vorrunde und Finale tritt dann Kevin o Neal auf, der deutsche Beatbox Meister. Die zuvor schon gute Stimmung wird noch besser. Viel kann man zu seiner Show nicht sagen, außer dass sie wirklich beeindruckend war. Die Bässe dröhnen in den Ohren, das Publikum macht mit, applaudiert und an ‚Texte vorlesen‘ ist jetzt kaum noch zu denken. So dachte ich, doch die Stimmung hielt an und es wurde noch viel mehr und ausgelassener gelacht als noch kurz zuvor. Gewonnen hat schließlich mein persönlicher Favorit: Nick Pötter. Der Berliner hat einfach überzeugt. Tiefgründig, intelligent und witzig waren seine Texte und er war der Einzige, der sie frei vorgetragen hat.
Insgesamt hat mit der Abend gut gefallen und die 5 Euro Eintritt wurden gut investiert. Ich warte schon sehnsüchtig auf den 02. Dezember, wenn der Slam in die 24. Runde geht.

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