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Fortsetzungsgeschichte „Familienfluch“- Teil Drei

 

Je länger auf das Meer starrte, desto mehr Shiloueten konnte er in den Wellen erkennen. Michael wandte sich um. Wie befürchtet musterte ihn George wieder mit einem Blick, als glaubte er, Michael wäre geisteskrank. Er seufzte innerlich und suchte dann die Umgebung ab. Keine weiße Maske, kein Lederjackenträger. Alles ist gut. Trotzdem hatte Michael das Gefühl, beobachtet zu werden. Ein Schauer lief ihm über den Rücken, als er daran dachte, wie er dasselbe Gefühl gespürt hatte, bevor ihn der Maskenträger zusammengeschlagen und fast erstochen hatte.

„Geht es dir gut?“ fragte George besorgt, als befürchtete er dass Michael im nächsten Moment von der Brücke stürzen würde. Keine Sorge Bruder. Bis jetzt habe ich alles im Griff, dachte er. „Natürlich.“ Er wandte rasch den Blick ab. Michael mochte Silent City nicht besonders gern, allerdings lag das viel mehr an dem Schläger mit der weißen Maske als an der Stadt selbst.

Georg hatte keinen Grund sich zu sorgen. Das einzige, was Michael in den letzten Monaten quälte, war eine Rachsucht, die ihn ständig in den Träumen heimsuchte. Oft bildete er sich ein, den Mann mit der weißen Maske in der Nähe stehen zu sehen, wie der Regen über seine Maske lief, wie er das silberne Messer wieder in der Hand hielt und langsam auf ihn zukam. Auch heute regnete es; Der Regen bildete Kreise auf dem Wasser und durchnässte Michaels Jacke. Neben ihm zündete sich Georg eine Zigarette an- Michael trat ein paar Schritte zur Seite, um dem unangenehmen Gestank auszuweichen.

 „Wie viele waren es in den letzten Wochen? Todesopfer, Verwundete, Beobachter?“ Georg steckte sein Feuerzeug weg und holte stattdessen einen zerknitterten Notizblock hervor. „Zwölf Tote, ein Verwundeter, der zurzeit im Krankenhaus liegt, keine Beobachter.“ Antwortete Michael, und sofort fügte Georg hinzu: „Zwei Verwundete. Mit dir.“

Michael seufzte innerlich. Seit diesem einen Angriff sprach man ihn ständig darauf an. Sein Bruder fragte ihn ständig, ob es ihm gut ging, Nachbarn und gute Bekannte wie Mrs Silverstone wollten stets von ihm wissen, wie er überleben konnte. „Jeder, der etwas gesehen hat, wurde umgebracht oder verschwand auf mysteriöse Art und Weise. Wie soll man so herausfinden, wer diese weiße Maske trägt?“ fragte Georg aufgebracht. Er war um einiges muskulöser als Michael, was man seiner mageren Statur jedoch überhaupt nicht ansah. Außerdem hatte er eine gesunde Bräune, während Michael so grau war wie die Wolken über der Stadt. Michael hatte sich oft vorgestellt, was passiert wäre, wenn Georg und nicht er auf den mysteriösen Maskenträger getroffen wäre.

„Das kann so nicht weiter gehen. Du musst endlich etwas über diesen Kerl erzählen. Wie groß war er? Mann oder Frau? Wie alt war er oder sie ungefähr?“ Michael antwortete nicht, versuchte sich an soviel wie möglich zu erinnern, während ihm die Regentropfen auf Kopf und Schulter prasselten. Er sah ihn noch genau vor sich: Groß gebaut, braunes, kurzes Haar, eine schwarze Lederjacke… Doch aus irgendeinem Grund konnte er nicht darüber sprechen. Die Worte kamen nicht aus seinem Mund. Noch nicht.

„Ich habe es vergessen. Alles, was an diesem Tag passiert ist.“ Sagte er leise… und erstarrte. Er hatte schon oft diese Wahnvorstellungen gehabt. Oft begegnete er dem Maskierten auf der Straße, an der Bushaltestelle, sah ihn auf einem Dach… und stets wusste er, dass es sich nur um eine Wahnvorstellung, ein Trauma, dass aus seiner Begegnung mit dem Fremden resultierte, handelte. Diesmal war es anders. Diesmal hielt der Maskierte ein Gewehr und kein Messer.

Fortsetzung folgt…

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