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Kultur & Games: Die Kunst des Gamings – Machinarium & Botanicula

Kultur & Games: Die Kunst des Gamings – Machinarium & Botanicula

Diese Woche behandeln wir Botanicula und Machinarium, zwei Indiespiele des Entwicklers Amanita Design. Beide Spiele fallen in die Kategorie Point & Click, welche spätestens durch die Titel Day of the Tentacle, Monkey Island und Grim Fendango, für Witz und Charme bekannt ist.


Die Titel sind Thema: Ein Microkosmos der Pflanzen, welcher von den skurilsten Kleinstlebewesen bevölkert wird. Und eine mechanische Stadt in einer kargen Schrottwüste, bewohnt von dreisten Robotern und automatisierten Schoßhündchen. Kontrastreicher könnte es nicht sein.

Die tschechischen Entwickler bestechen aber besonders durch ihre Charakterisierung – oder besser ausgedrückt, durch ihre fehlende. Machinarium, wie auch Botanicula schafft es ohne ein echtes Wort ausdrucksstarke und interessante Charaktere zu liefern, die so manche überdramatisierte Figur aus Film und Fernsehen alt aussehen lässt. Aber zu sagen, sie würden ohne Sprache auskommen ist auch nicht ganz richtig. Beide Spiele bedienen sich einer lustigen Fantasiesprache, die am ehesten mit der der Mainzelmännchen zu vergleichen ist. Botanicula legt noch einen drauf, indem es den Anschein erweckt, dass jedes Lebewesen dort dazu fähig ist Musik zu machen. Die Qualität und Variabilität der Geräusche der Charaktere sucht Ihresgleichen.

Das einfallsreiche Design der Charaktere zeigt nicht nur die Kreativität der Entwickler, sondern macht die Spiele besonders interessant. Selbst für die Handlung irrelevante Charaktere sind so abwegig, skurril, ja, fast schon surreal, dass man die Liebe der Designer sprichwörtlich sehen kann. Botanicula belohnt den Spieler mit einer „Sammelkarte“ bei einem neu entdeckten Bewohner der Pflanzenwelt. Das führt dazu, dass man erst jedes Blatt umdreht, damit man ja keinen Charakter verpasst, bevor man weitergeht. Bei Machinarium gibt es leider keine Sammelkarten. Nichtsdestotrotz sind sie genauso sehenswert.In Wirklichkeit liebe ich diese kleinen Roboter. Sie wirken menschlich, zeigen Liebe, Wut, Boshaftigkeit und Leidenschaft, und bestehen dabei meist nur aus den verschiedensten geometrischen Figuren, die schlecht an einem dosenähnlichen Körper drangeschraubt sind.

Auch die Animationen der Bewegungen sind hinreißend. Zwar scheinen Botaniculas „Ballbienen“ die Gesetze der Physik nicht zu kennen, aber jede Figur hat eine für sich stimmigen Bewegungsabblauf der natürlich scheint. Dabei glänzt vor allem Botanicula, da es nicht einen Protagonisten gibt, sondern gleich fünf. Jeder der fünf (ich nenne sie gerne: Eichel, Stocki, Nussi, Pilzi und Federding) hat einen eigenen Bewegungsaparat. So kann Stocki mit seinen Ästen überall hineingreifen, Nussi ist stark wie ein Stier und Federding kann natürlich fliegen. Zwar nicht besonders einfallsreich, aber nach jedem gelösten Rätsel wird man mit einem fröhlichen „Yipieh“ der Gruppe belohnt.

 

 

Insgesamt erinnern die Spiele an Aufklappbücher bzw. inetraktive Bilderbücher. Während die Spielmechanik relativ simpel und verständlich gehalten wird, liegt der Fokus eindeutig auf der Atmosphäre und dem Design.  Aber täuscht euch nicht, auch wenn die Rätsel in Botanicula eher zu den einfacheren gehören, sind die Rätsel in Machinarium teilweise recht anspruchsvoll.

Die Spiele überzeugen mit ihrer ungewöhnlichen Art der Narrative, die beim Spieler für ein angenehmes und erfrischendes Gefühl sorgt. Auch wenn das Design allein schon den Stempel Kunst verdient hätte, so zeigt vor allem die Mischung aus  Sound, Animation und Design, dass Botanicula und Machinarium Gesamtkunstwerke sind.

Wenn ich mir Kunstwerke in der Zukunft vorstelle, dann hoffe ich, dass sie so aussehen werden!

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