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INTERNATIONALES NIVEAU BEIM 1. JAZZPREIS RUHR

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Eine große, zweigeteilte Freitreppe führt hinauf zur ehemaligen Kinokasse. Hier werden noch heute die Tickets verkauft, auch wenn das Gebäude längst kein Ufa-Kino mehr beheimatet, sondern das domicil, den Jazzclub in Dortmund. Auf eine über vierzigjährige Geschichte blickt das domicil zurück, und am 3. Dezember 2011 fand hier im Rahmen der Dortmunder Jazztage das Finale des 1. Jazzpreis Ruhr statt. Die drei zur Wahl stehenden Bands, die Crème de la Crème der ursprünglich 55 Bewerber aus dem gesamten Ruhrgebiet, waren:  Zodiak Trio, eine dreiköpfige Band mit elektro-akustischen Sounds; das Marc Brenken – Christian Kappe Quartett, eine Band, die als Duo startete und mittlerweile mit vier Personen auf der Bühne steht; und schließlich Invisible Change, die sich vor allem durch ihre Improvisationsfreude auszeichnen.

„Insgesamt gab es drei Jurys“, erklärt Nadine Deventer, Geschäftsführerin des jazzwerkruhr, das den Wettbewerb auf die Beine gestellt hat. „Die Jury Ruhr, mit jeweils einem Vertreter der sieben lokalen Jazzinitiativen im Ruhrgebiet; die Jury Europa, eine zehnköpfige internationale Jury, die aus den Top-Ten die Top-Three ermittelte; und schließlich, heute Abend, das Publikum.“ Bei gedimmtem Licht in warmer Atmosphäre konnten die Zuhörer ihre Stimmzettel ausfüllen und so über den Sieger des Wettbewerbs mitbestimmen. Die Moderation im großen, bis zu 500 Besucher fassenden Saal übernahm Deventer. Dabei hob sie hervor, wie wichtig es sei, den hochkarätigen Musikern durch den Preis einen „Marketingpush“ zu geben. Zum einen durch ein ausverkauftes domicil – sogar aus dem Ausland waren Gäste angereist. Zum anderen durch Preisgelder in einer Gesamthöhe von 11.000 Euro.

Ebenso wichtig ist sicher das, was bei solchen Konzerten hinter der Bühne stattfindet: das Knüpfen neuer Kontakte unter den Musikern. Bernd Oezsevim hatte diese Kontakte offenbar längst geknüpft, denn er spielt gleich in zwei der Bands, die um den Jazzpreis Ruhr kämpften: als Schlagzeuger und Percussionist von Invisible Change und Zodiak Trio. Grund genug, sich in der Pause an seine Fersen zu heften. Während er viel Lob und Glückwünsche für seine Performances entgegennahm, verriet Oezsevim, dass seiner Ansicht nach alle Bands des Abends gewonnen hätten: „Wir sind die besten drei von 55 Bands, da kann man nicht mehr von einem Verlierer sprechen.“ Seine Gefühlslage dabei, gleich zweimal auf der Bühne zu stehen, beschrieb er als zwiespältig. Beide Gruppen hätten ihre eigenen Charakteristika, jedoch sei es eben ein Wettbewerb. Hinter der Bühne seien die Bands aber miteinander befreundet.

Ob es ein langer Weg bis in die Top-Three gewesen sei? Ja, antwortete der Musiker, er habe schließlich bereits mit 9 Jahren mit der Musik begonnen. Seine Ziele für die Zukunft seien, ein gesundes und kreatives Leben zu führen und in Bezug auf die Musik, besser zu werden. Konkrete Ziele nannte Oezsevim nicht. Dafür gab er den Lesern den Tipp, den Fernseher mal auszumachen und stattdessen ein Konzert zu besuchen. Ob Zodiak Trio oder Invisible Change? Das mache keinen Unterschied?!

Damit sollte man aber nicht bis zum Finale des nächsten Jazzpreis Ruhr warten. Denn ob der Preis ein weiteres Mal verliehen wird, hängt stark von den Förderern ab. Jedes Jahr muss ein neuer Antrag gestellt werden, was den Prozess, so Nadine Deventer, nur unnötig verlangsame. Das sei aber kein Grund zur Besorgnis. Das jazzwerkruhr ist seit fünf Jahren international etabliert. „Im Januar 2012 feiern zahlreiche Jazzer aus den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Polen und weiteren europäischen Staaten in Brüssel unser Jubiläum“, verriet Deventer. Hoffnung auf eine Neuauflage des Wettbewerbs machte auch Herr Krämer vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen. In seiner Rede hob er das domicil als einen weltweit anerkannten Jazzclub hervor und äußerte die Hoffnung, dass der Jazzpreis Ruhr 2012 wieder verliehen werden und der Wettbewerb an Prestige gewinnen könne.

Der Gewinner des 1. Jazzpreis Ruhr 2011 war nach einer denkbar knappen Abstimmung schließlich das Marc Brenken – Christian Kappe Quartett. Wie es mit dem Jazzpreis Ruhr weitergeht, erfahrt ihr unter www.jazzwerkruhr.de. Und wer nun neugierig ist, was das domicil in der Hansastraße in Dortmunds Innenstadt mit seinem Kino-Flair vergangener Tage sonst noch zu bieten hat, kann sich auf der Website www.domicil-dortmund.de über das Programm informieren.

Dieser Artikel ist auch auf Englisch verfügbar.
This article is also available in English.

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