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Internationaler Frauentag

Clara Zetkin (links) mit Rosa Luxemburg im Jahr 1910

Am 19. März 1911 fand zum ersten mal der Frauentag statt. Die Initiative kam von der deutschen Sozialdemokratin Clara Zetkin. Es wurden zahlreiche Volksversammlungen veranstaltet und auch Frauen in den USA, Dänemark, Österreich und der Schweiz schlossen sich an. Ziele und Forderungen der Frauen waren keine „Sonderrechte“, es wurden lediglich die Menschenrechte eingefordert. So zum Beispiel Wahl- und Stimmrecht für Frauen, Mutter- und Kinderschutz, gleicher Lohn für gleiche Arbeitsleistung, Mindestlöhne, Arbeitsschutzgesetze, der 8-Stunden-Tag, aber auch der Kampf gegen Krieg. In Erinnerung an den Streik von Textilarbeiterinnen in St. Petersburg wurde der Frauentag 1921 auf den 8. März festgelegt.

Heute wird der Weltfrauentag international begangen. In einigen Ländern ist er sogar ein gesetzlicher Feiertag. Die Forderungen von damals sind immer noch aktuell, besonders international gesehen sind die Frauen immer noch schlechter gestellt als die Männer. So sind etwa eine halbe Milliarde Frauen Analphabeten und gerade junge Mädchen bekommen oft keinen oder nur einen eingeschränkten Zugang zur Bildung. Auf diese Weise bekommen Frauen häufig nicht die Chance ihre eigene Situation zu verbessern oder ihre Rechte einzufordern.
Doch auch in Deutschland gibt es (noch immer) große Unterschiede zwischen Männern und Frauen, wie es jüngst die OECD Studie festgestellt hat. Frauen verdienen 21,6 Prozent weniger als Männer, damit ist Deutschland eines der Schlusslichter im Europäischen Vergleich, lediglich Österreich und Estland liegen noch dahinter. Ein Grund hierfür ist, dass Frauen nur selten in Führungspositionen zu finden sind. In der obersten Leitungsebene der Privatwirtschaft befinden sich nur 25 Prozent Frauen und im Bundestag liegt der Frauenanteil bei lediglich 36 Prozent. Des Weiteren nehmen Frauen häufiger Stellen an, für die sie überqualifiziert sind. Auch gibt es schlechter bezahlte Berufe die überwiegend von Frauen ausgeübt werden, doch gerade in diesen Berufen werden Männer benötigt, es werden beispielsweise Erzieher dringend gesucht.
Obwohl die Erwerbstätigkeit der Frauen steigt, liegt die Arbeitsverteilung im Haushalt oft zu ungunsten der Frauen. Diese rutschen also oft in Teilzeitarbeit und gehen zusätzlich unbezahlter Arbeit nach, wie Kinderbetreuung, Putzen und Kochen. Dies führt zu geringeren Renten, Altersarmut, aber auch einer stetigen Abhängigkeit vom Mann.

Auch von sexueller Belästigung bis hin zu sexuellen Übergriffen sind auch in Deutschland überwiegend Frauen betroffen. Laut einer 2014 erschienenen repräsentativen Studie der Europäischen Grundrechteagentur, welche sich auf 2004 erhobene Daten bezieht, haben 27 Prozent aller befragten Frauen in Deutschland bereits sexuelle Belästigungen erlebt, bei denen sie sich ernsthaft bedroht fühlten und Angst um ihre persönliche Sicherheit hatten. Bei 9 Prozent aller befragten Frauen, die bereits sexuelle Belästigung erfahren haben, führte diese in einer oder mehreren Situationen auch zu körperlicher Gewalt oder ungewollten Geschlechtsverkehr. Sexuelle Belästigung ist also keineswegs ein Randphänomen, sondern eines, welches Tief in der Gesellschaft verwurzelt ist und so auch Rückschlüsse auf das zugrunde liegende Frauenbild schließen lässt.

Frauen werden vielfach nicht als gleichberechtigte Partner betrachtet, sondern sollen sich unterordnen, beziehungsweise lassen sich unterordnen. Somit ist der Weltfrauentag leider (auch) heute noch wichtig um auf solche Missstände hinzuweisen. Schön wäre es, wenn dieser Tag sich selbst abschaffen würde. Es geht dabei gar nicht darum, dass jede Frau in Vollzeit arbeitet und sich gegen die Familie und für die Karriere entscheidet. Es muss nur jeder Frau ermöglicht werden, sich frei zu entfalten und selbst zu bestimmen. Gesellschaftliche Konventionen stehen diesem allerdings oft entgegen. Ebenfalls sollte es für eine Frau möglich sein sich frei zu bewegen, anzuziehen wie sie es möchte und auch Abends mit kurzen Rock alleine nachhause zu gehen – das alles ohne sexuelle Belästigungen. Die aus schlechten Erfahrungen oder Erzählungen resultierende Angst ist dabei kontraproduktiv. Frauen müssen anfangen sich selbst nicht als unterlegen wahrzunehmen und dies auch nach außen tragen. Somit soll der Weltfrauentag ein Zeichen für die Gleichberechtigung und Selbstbestimmung setzen, welches auch über diesen Tag hinaus sichtbar bleiben soll.

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