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Fortsetzungsgeschichte „Familienfluch“- Teil Elf

Am Samstag geschah der nächste Mord, genau an ihrem Geburtstag.

Man hatte es ihr erzählt, als sie gerade im Speisesaal saß. Mary Rayden hatte das Opfer nicht gekannt, noch nicht einmal vom Namen her. Es handelte sich um einen alten, grauhaarigen Mann, der wohl auf den Weg nach hause gewesen war. Mary hatte sich so viel wie möglich über das Opfer und die Tat an sich durchgelesen. Anscheinend war es um Mitternacht passiert, die Polizei ging von dem Maskenträger aus.

„Wieso tut er so was nur?“ murmelte Mary, während sie in der Zeitung blätterte. „Bei solchen Mördern weiß man das doch nie genau.“ Sagte Carmen und biss in ihr Toast. „Irgendwann stirbt diese Stadt noch aus wegen ihm.“ Sagte Carmen scherzhaft, doch Mary lachte nicht. „Diese Stadt ist grausam, Carmen. Nicht nur wegen dem Maskenträger, sondern wegen dem, weshalb es ihn überhaupt gibt.“

„Was meinst du damit?“ wollte Carmen wissen.

„Kennst du nicht diese Geschichte? Dass er nur diejenigen tötet, die bösartig sind oder böses tun?“

„Nein, aber…“

„Sie ist wahr. Und noch was…“ Sie beugte sich nach vorne und murmelte „ich kenne sein Versteck.“

Carmen fuhr zurück und riss erschrocken die Augen auf. „Wieso hast du es der Polizei dann nie erzählt?“

„Was sollen die Polizisten dagegen tun? Der Maskenträger würde sie nur alle nacheinander umbringen oder bedrohen, um sie zum Schweigen zu bringen. Langsam glaube ich wirklich, dass er es war, der meinen Mann getötet hat. Und ich glaube auch, dass er es besonders auf unsere Familie abgesehen hat.“

„Wieso glaubst du das?“ fragte Carmen überrascht. „Er hat doch bisher einzig und allein deinen Mann getötet…“

„…und er wird auch mich töten, irgendwann. Arthur Carper weiß das ebenfalls. Und die Moonfires. Vielleicht ist einer von ihnen oder aus deren Familien der Maskenträger, auf jedenfall müssen wir in nächster Zeit sehr vorsichtig sein.“ Mary nahm einen Schluck Kaffee.

„Wir?!“ fuhr Carmen auf.

„Ja, natürlich. Er ist auch hinter dir her, ich meine, du bist ständig an meiner Seite, und alles was ich über diesen Maskenträger weiß vertraue ich dir an- er wird versuchen, alle Zeugen und Wissenden zu töten.“  Mary nahm einen letzten Schluck, dann erhob sie sich. „Du kannst mitkommen, wenn du möchtest. Ich werde mir die Bauwerke von Carl Moonfire einmal genauer ansehen… die Stille Kirche, die Graysson-Bridge und den Rabenbaum. Wir wären abends wieder da, also…?“

„Na… natürlich komme ich mit…“ sagte Carmen, klang dabei jedoch ein wenig verwirrt.

Sie verließen das Hotel gegen ein Uhr mittags und betraten dann erneut die U-Bahn. Wieder ragte die Stille Kirche alt und herrisch über ihnen auf, nur dass diesmal der Himmel noch eine Spur dunkler war.
“Mal sehen, ob sie überhaupt offen ist…“ murmelte Mary. Das Kirchenportal schwang knarzend auf, die Kirche war jedoch leer. „Vielleicht sollten wir hinter den Bildern nachschauen, ob dort eine Art Geheimfach oder versteckte Botschaft versteckt ist,“ schlug Mary vor, und zusammen machten sie sich daran, die einzelnen Bilder abzuhängen, die Wände dahinter abzutasten und die Bilder dann wieder aufzuhängen. Mary fiel auf, dass Carmen sich einen Notizblock mitgenommen hatte.

„Falls wir wirklich sterben sollten, sollen die Maskensucher nach uns dort Infos finden…“ sagte sie mit einer ungewöhnlich piepsigen Stimme. Auch ihr Gesicht wirkte sehr blass, dazu der starre Blick in ihren Augen wie ein verängstigtes Reh. Sie hat Angst, dachte Mary, wer kann ihr deswegen einen Vorwurf machen. Schließlich suchten sie auch noch den Altar und sogar die Orgel ab, allerdings fanden sie nichts. „Du musst das wirklich nicht machen“ sagte Mary und schenkte Carmen ein ehrliches Lächeln. „Du hättest auch im Hotel warten können…“

„Nein, ist schon gut so. Ich helfe dir und damit mir selbst.“ Murmelte Carmen, als sie die Kirche verließen. „Nun, dann befassen wir uns jetzt mal mit der Graysson-Bridge“ sagte Carmen und deutete auf die in der Ferne aufragende Brücke. „Die Todesstätte meines Mannes.“

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