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Fortsetzungsgeschichte „Familienfluch“- Teil 15

„Wieso stirbst du nicht?!“

Henry schlug immer wieder auf ihn ein, seine rote Maske glänzte vom Regen. Benommen schaffte John es, seine Faust abzufangen, dann brach er Henry die Hand. Sein Bruder schrie auf, und zog sich fluchend zurück. Es klappt, dachte John, während der Blutstrom verebbte. Die Reise auf den Spuren meines Vaters war doch nicht so erfolglos.

Er zog sein Messer, wirbelte es durch die Luft und trat dann auf seinen Bruder zu. „Dafür bezahlst du, du Mistge…“ Weiter kam er nicht, als sich das Messer in seinen Arm bohrte. Erneut schrie Henry auf, doch er war zäher, als es den Anschein hatte. John sah den Degen in der heilen Hand seines Bruders gerade noch rechtzeitig auf sich zusausen, um den Schlag mit seinem eigenen Degen zu parieren.

„Du bist nicht für diese Maske bestimmt, Dreckskerl!“ rief Henry und wagte erneut einen Angriff. Diesmal hatte er die Oberhand, Henry hatte schon immer ein besseres Gefühl für Degen und Schwerter gehabt. Sein Bruder trieb John immer weiter durch die Straße auf eine Mauer zu, der Regen prasselte auf sie beide nieder. Nur mit Mühe konnte John die Schläge seines Bruders parieren, doch sein Bruder rechnete nicht damit, dass John ein Messer in seiner anderen Hand hatte. John stieß zu, während Henry noch den Degen parierte. Der Dolch bohrte sich tief in das Fleisch seines Bruders, doch diesmal schrie er nicht, sondern sackte in sich zusammen. Sein Atem ging schwer und rasselnd.

„Das war… ein Fehler… was du getan hast“ keuchte er, „du bist nicht…“ Blut quoll aus seinem Mund und sein Blick wurde leer. Henry Moonfire war tot.

Bin ich ein Monster? Fragte John sich, während er seinen Dolch aus der Leiche seines Bruders zog und ihm die rote Maske abnahm, bin ich ein Monster, weil ich nichts fühle? Er fühlte weder Wut noch Hass, auch keine Trauer um seinen toten Bruder. Er ließ Henry auf der Straße liegen, die rote Maske nahm er jedoch mit. Die Nacht wirkte ungewöhnlich still, nur der Regen plätscherte leise vor sich hin. Vor ihm ragte sie auf, die Graysson-Bridge. Groß und düster stand sie dort und schien vorwurfsvoll auf ihn hinabzublicken.

Er schleuderte seinen Wurfhaken hoch empor und zog sich dann nach oben. Lange starrte er auf die dunklen Fluten, hielt die Maske seines Bruders in den Händen und dachte nach. John trat an das Geländer und ließ die Maske in die Fluten fallen. Er sah noch zu, wie sie von den Wellen verschluckt wurde, dann holte er seinen Zettel hervor und strich den ersten Namen durch.

Die Nacht war noch nicht vorbei, und er hatte noch viel zu tun.

 

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