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Erdbeeren als Lebensretter

So steht man da. Ausgestoßen, allein, desorientiert. Nach 13 Jahren Schule, in denen man sich herrlich über alles und jeden aufregen konnte, weiß man auf einmal nichts mehr mit sich anzufangen. Alle stehen vor der Entscheidung, was zukunftstechnisch als nächstes passieren soll – oder worauf sie zumindest hoffen können. Aber erstmal hat man bis zu fünf Monate Rumliegen, RTL 2 gucken, Intensivshoppen und das Dauergast-Dasein in den umliegenden Clubs vor sich. Geht es eigentlich noch besser?

Natürlich mag man genau das am Anfang denken. Aber glaubt mir: irgendwann hat man schon mal jede Liegeposition auf der Coach ausprobiert, kann das Ende der nächsten Berlin Tag und Nacht Folge bereits voraussagen, ist absolut blank und wird praktisch direkt beim Betreten des Club wild gestikulierend vom strahlenden DJ zum Mischpult gewunken. Was soll man also tun, um diesem unverhofft teuflischem Alltag zu entkommen? Sich mit dem Gedanken auseinander zu setzen, wie das Leben nach der Schule weiter gehen soll, steht außer Frage – dieser wird selbstverständlich bis zum Existenzminimum konsequent aus den noch wenig aktiven Gehirnzellen verdrängt. Also muss ein Kompromiss gefunden werden. Einerseits möchte man die Zeit genießen und nicht einer zu anspruchsvollen oder gar überfordernden Tätigkeit nachgehen, andererseits soll sich die eh schon verzweifelte Mutter nicht noch mehr um ihr zunehmend desozialisiertes Kind sorgen müssen.

Ich schlage vor, setzt euch in die Sonne, genießt euere kurzweilige, hemmungslos freie Zeit und vor allem: lasst euch dafür bezahlen!

Kurz gesagt: werdet aktiv – und zwar als Erdbeerverkäufer bzw. -verkäuferin. Vor allem in den ländlichen Städten, aber auch in Dortmund und Umgebung gibt es genug Selbstpflückfelder, die meistens im Juni und Juli jeden Jahres Massen an begeisterten Familien anziehen. Selbstverständlich muss es da Leute geben, die aufpassen, dass sich die Hysterie um die rote Frucht in Maßen abspielt. Und wer könnte da besser geeignet sein, als junge Menschen, die gerade die allgemeine Hochschulreife oder sonstige erstrebenswerte Qualifikationen erlangt haben und nur auf DIE Chance warten, ihre neu erworbenen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen?

Arbeitsvoraussetzungen sind: Befürwortung des Sommers, ein unerschöpfliches Repertoire an Büchern und/oder Zeitschriften, Sprachkenntnisse in Deutsch, eine schnelle Auffassungsgabe in Sachen „Wie bediene ich eine Waage“ und eine nicht allzu große Abneigung gegenüber Erdbeeren, denn ihr werdet in dieser Zeit wirklich verdammt viele essen!

Im Ernst: das Schlimmste, was euch passieren kann, ist, dass gemeine Erdbeerfeinde das Dixi-Klo umwerfen und ihr es mit Hilfe von mitleidigen Kunden wieder aufrichten müsst. Das könnte sich ernsthaft als Grenzwerterfahrung herausstellen.

Ansonsten wird man höchstens durch Erdbeer-Paintball spielende Zwerge, einsamen und sehr redebedürftigen, vorzugsweise älteren Herrschaften oder freilaufenden Hunden von einem ausgiebigen Sonnenbad abgehalten. Apropos: der weiblichen Fraktion empfehle ich noch, sich gut mit trägerlosen Tops einzudecken – sollten zukünftige Feierlichkeiten ein schulterfreies Kleid erfordern, lohnt es sich wirklich!

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