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EASE THE WAY – Idomeni (Sinah)

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ENGLISH BELOW!

Vorgestern sind wir hier in Idomeni angekommen und haben am Grenzübergang zu Mazedonien Schlafsäcke, Lunchpakete und Kinderspielzeug verteilt. Das Wetter hat den Menschen die dort zelten und uns übel mitgespielt- den ganzen Tag hat es pausenlos durchgeregnet.

Das Lager ist eine Schlammlandschaft, alle, die keine gute Regenkleidung besitzen sind nach kurzer Zeit durchnässt. Wir versuchen unsere Schuhe mit Plastiktüten zu schützen, aber die halten nicht richtig. Die meisten Zelte versinken im Matsch, überall versuchen Menschen, Feuer zu entzünden oder am Brennen zu halten. Es riecht dementsprechend stark nach Rauch und dem, was in der Not alles verbrannt wird. Menschen halten ihre Füße mit Schuhen teilweise direkt in die Flammen, halten Kleidung darüber um sie zu trocknen. Kinder die auf Toilette müssen, hocken im Regen im Matsch in Zeltnähe, während es auf sie einprasselt. Ein Mann steht minutenlang reglos im Regen, wir sprechen ihn an. Er erzählt uns, dass seine Frau mit ihren zwei kleinen Kindern, das jüngste nur wenige Monate alt, im Zelt sind. Aber es ist zu kalt und zu nass, und die Kinder sind krank. Wie wir ihm helfen können, fragen wir. Aber das weiß er selber nicht. Es steht anscheinend nicht in unserer Macht, etwas an seiner Situation zu ändern. Wir geben ihm eine Decke, aber es scheint nicht wirklich das zu sein, was er braucht.

Dann wieder- eine Schar lachender Kinder, die auf uns zulaufen. Ein paar junge Männer mit gesammeltem Feuerholz unterm Arm machen Späße und versuchen sich mit uns zu unterhalten in einem Mix aus Arabisch, Englisch und manchmal sogar zwei oder drei Wörtern Deutsch. Eine Mutter schiebt lächelnd ihre kleine Tochter in unsere Richtung, als sie bemerkt dass wir ihr winken. Und aus einem der Zelte hören wir eine Gruppe Menschen zusammen singen.

Die Schlafsäcke gehen wie erwartet in Minutenschnelle weg, Lunchpakete und Kinderspielzeug kommen auch sehr gut an. Trotz des starken Regens sind viele Menschen auf dem Gelände unterwegs und darunter auch einige Kinder. Immer wieder werden wir auch nach Schuhen oder Jacken gefragt, und auf unser Nein wird in das Wageninnere gedeutet, wo ein paar unserer eigenen Sachen unter dem Sitz liegen. Wir versuchen zu erklären, dass dies leider keine Spenden sind. Aber ein paar Jungs lassen einfach nicht locker, immer wieder stupsen sie uns während wir andere Dinge austeilen von der Seite an und lassen sich von nichts davon abhalten. Gerade Schuhe und Jacken werden hier wirklich dringend gebraucht. Es kommen immer mehr Menschen und umringen unser Auto, denn sie wissen genau: wenn ein Auto hier so hält, dann ist das jemand, der etwas verteilt. Denn wir sind natürlich nicht die Einzigen, die das tun. Immer wieder sieht man einzelne Autos ins Camp fahren und dasselbe tun.

So ganz reibungslos läuft es für uns nicht, aber das haben wir uns schon vorher gedacht. Wir sind nur zu zweit und können schwer Ordnung in die Menschengruppe vor uns bringen, während wir Sachen aushändigen (und versuchen dabei so fair wie möglich zu sein). Ein paar Leute drängeln sich vor oder versuchen, doppelt und dreifach ausgeteilt zu bekommen, oder verhandeln darüber, was sie bekommen möchten. Andere hingegen versuchen uns sofort zu helfen, weisen die Menschen in eine Schlange und packen mit an wenn wir Hilfe brauchen. Dafür sind wir sehr dankbar.

Als das Auto leer ist, fahren wir noch einmal einkaufen für die nächste Ladung, diesmal machen wir es uns einfacher indem wir uns für nur eine Sache entscheiden- Saftpakete. Die kamen beim letzten Mal besonders gut an, und wir hoffen dass es so weniger Chaos gibt.

Als wir Abends vollkommen durchnässt und frierend ins Hostel zurückkehren, sind wir wirklich froh, dass es geschafft ist. Wenn man so etwas öfters machen möchte, muss definitiv eine bessere Lösung her als unsere. Wahrscheinlich sucht man sich besser eine größere Gruppe Helfer und tut sich mit ihnen zusammen oder spendet ihnen die Sachen direkt. Aber für heute war es okay- und wir stellen uns gerne vor, wie heute Nacht ein paar mehr Menschen in Idomeni nicht mehr so frieren müssen wie in den Nächten zuvor, dank der dicken Schlafsäcke. Wie die Kinder mit ihren Spielsachen spielen, und vielleicht in der Zeit ein bisschen abgelenkt sind von dem, was um sie herum so passiert. Und wir sind schon gespannt auf den nächsten Tag, denn da helfen wir wieder den Leuten von der “aiddeliverymission” beim kochen und Essen verteilen, diesmal für noch mehr Menschen als beim Mal davor und bei ganz anderen Wetterbedingungen als noch vor über einer Woche.

Idomeni
Day 1, 10.03.
Sinah

The day before yesterday we arrived here at the border-crossing to Macedonia in Idomeni and distributed sleeping bags, lunch packages and toys. The weather was hard on us and even more on the people who have put up camp there. It rained all day without any relieve.
The camp resembles a landscape of mud and dirt and everyone who doesn’t own rain gear get soaked to the bones within minutes. We try protecting our boots with plastic bags – with limited success. Most tents are bogged down in the mud. People are trying to light fires or keep them going all over the place. Accordingly it smells of smoke and whatever has to do as “fire wood”. Some are holding their feet and shows directly into the flames and clothes above in desperate attempts to get them dry. Kids having to go to the loo are cowering in the dirt while rain pours down onto them. A man is standing in the rain motionlessly for minutes. We talk to him. He tells us that his wife and two small kids, the youngest only a few months old, are inside the tent. It’s too cold and too wet. His kids are sick. „How can we help?“, we ask, but he doesn’t know himself. It’s not within our power to help him out of this miserably situation. We hand him a blanket but it doesn’t seem to be what he needs.
Then again, a bunch of laughing children running towards us, a couple of young men with fire wood under their arms making jokes and trying to talkt o us in a funny mix of Arabic, English and even a few German words. A mother gently pushes her little daughter towards us as she notices us waving at her. From one of the tents we hear a group of people singing.
As expected we’re out of sleeping bags within minutes. The lunch packages and toys are received gladly as well. Despite the heavy rain a lot of people are around in the cam, among them some children. Again and again we’re asked for jackets and shoes. Upon our negation people are pointing at the interior of the car where some of our own stuff is stored under the seats. We try to explain that we cannot hand them over. Some boys don’t lay off nudging us while we’re distributing other stuff. Especially jackets and shoes are desperately needed here. More people are approaching knowing full well that a car stopping here usually has something to give for of course we’re not the only ones doing this. Again and again one can spot other cars entering the camp and other people doing the same.
It doesn’t go totally smooth but we anticipated that. We’re only two and cannot bring order into the crowd in front of us while handing out stuff and trying to be as fair as possible. Some are skipping the line, try to have their turn a number of times or bargain for better stuff. Others immediately try to help, getting people to queue in lines and help us where needed though. We’re really thankful for that.
As the car gets empty we head to the shops again. This time making things easier for ourselves by just buying one thing. We decide for juice packages.
They had been particularly successful before and that way we hoped for less chaos.

As we arrive back at the hostel in the evening, soaking wet and freezing we’re happy that we’re done. One definitely needs a more coordinate approach when doing this for a longer period. It’s probably better to search for a bigger, more organized group of volunteers and gives the donation to them. Still, it was okay for the day and we like to think that maybe just a few people in Idomeni are shivering a little less than the nights before without our sleeping bags – how children are playing with the toys and are maybe distracted from this gruesome reality for a while.
We’re excited about the next day, for we’ll reunite with the guys from „aiddeliverymission“ helping them with cooking and distributing food. This time for even more people and at completely different weather conditions than last week.

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