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Die Lagerfeld-Ausstellung

© 2014 Karl Lagerfeld

Mit der Lagerfeld-Ausstellung, genauer KARL LAGERFELD. Paralelle Gegensätze. Fotografie – Buchkunst – Mode – aber im allgemeinen Sprachgebrauch heißt sie einfach nur die Lagerfeld-Austtellung, so auch z.B. als ich später mit meinem Plakat auf der Straße angesprochen werde, ob denn ich in der Lagerfeld-Ausstellung war – zeigt das Museum Folkwang in Essen momentan die weltweit erste große Museumsausstellung des international bedeutendsten deutschen Designers, die sämtliche künstlerische Facetten des Modemachers präsentiert.

© 2014, Karl Lagerfeld © Museum Folkwang, Sebastian Drüen, 2014

Die Ausstellung: Die Ausstellung zeigt auf 1400 Quadratmetern die unerschöpfliche Ideenvielfalt von Karl Lagerfeld. Durch 14 Ausstellungsräume zieht sich der Bogen von den glamourösen 90ern bis zur Gegenwart. Schon bevor man die Ausstellung betritt, trifft man an der Außenwand auf viele kleine Selbstportraits. Hat man dann sein Armbändchen am Eingang vorgezeigt, trifft man auf eine für Karl Lagerfeld typische Arbeitssituation. Wie sieht die aus? Erstaunlicherweise recht klein. Im Vordergrund befindet sich ein Schreibtisch mit Zeichenblock und Kreide sowie Fixierspray. An den Seiten steht Studioequipment und im Hintergrund gefühlte Millionen von Büchern über Kunst und Mode. Wahnsinn, ich hoffe ich werde mal später annährend so viele Bücher gelesen haben. Läuft man weiter kommt man zu Frühen Arbeiten von Lagerfeld darunter Sepia Prints als Hommage an Oskar Schlemmer, Polaroids und Portraits von Brad Kroenig – Lagerfeld widmete ihm u.a. ein Buch und eine Fotoausstellung.

Im nächsten Raum lautet die Überschrift Wie gemalt. Hier findet man Hommagen an die Arbeiten bekannter Künstler wie Feiniger, Feuerbach, Stettheimer und Hopper sowie FENDI Arbeiten. Betritt man die folgenden Räume kommt man zu Lagerfelds Adaptionen Literarischer Stoffe. Angefangen wird beim kleinen Faust Fotoroman, weiter geht es zu großen Fotografien Dorian Greys und Acryldrucken der Odyssee auf Glas.

© 2014, Karl Lagerfeld © Foto: Museum Folkwang, Sebastian Drüen, 2014

Kommt man zum Ende des literarischen Raumes verändert sich langsam die Atmosphäre. Es ertönt leise „Running Up That Hill“ von Kate Bush, langsam blickt man um die Ecke und da steht sie. Angestrahlt auf einem weißen Podest die Haute Couture. Man ist von leichter Ehrfurcht erfüllt und möchte die Mode anfassen, darf man aber verständlicherweise nicht. Wir sind bei CHANEL und auch die große Anzahl der Ausstellungsbesucher hält sich in diesem Raum auf. Es zeigt sich deutlich, dass die Besucher diesem Raum am meisten Aufmerksamkeit schenken. Um die Houte Couture herum findet man die Entwürfe zu der Couture sowie Anzeigenkampagnen und Kataloge. Außerdem sind die Set-Ups der Modenschauen als architektonische Minimodelle vertreten. Passend kann man sich dazu die Modeschauen als Filme anschauen. Man ist in die Welt der Mode eingetaucht und einem wird klar, Mode ist viel künstlerische Arbeit.

© 2014 Karl Lagerfeld

Raus aus der Welt der Mode, kommt man zur Architektur und zum Merchandising und Produktdesign – unter anderem Arbeiten für Audi, VW und Schwarzkopf. Der nächste Themenbereich heißt Portraits, neben den aktstrakten Arbeiten – eine Mischung aus Akt und abstrakter Kunst (also Formen) – besucht man einen dunklen Raum, in dem kleine sowie große Portraits erstrahlen. Im weiteren Abschnitt der Ausstellung trifft man in der Reklame auf Ausschnitte aus der Plakatsammlung von Lagerfeld und in The Glory of Water Daguerreotypien – man bekommt dabei auch die Daguerretypie erklärt, falls ihr wie ich vorher nichts mit dem Begriff anfangen könnt. Zum Schluss kann man im Bereich Kino sehen, welche Filme Lagerfeld gedreht hat – zwei davon laufen sogar zum Schauen dort – sowie in Bücherwelten und Librairie 7L die von Lagerfeld veröffentlichten Bücher und eine Pop-Up Version der Karl Lagerfeld Buchhandlung in Paris sehen.

Werke, die für mich herausstachen: Für mich haben sehr viele Werke herausgestochen, also stellt sich schon eher die Frage welche Werke für mich am allermeisten hervorgestochen haben. Als erstes fällt mir die Serie A Portrait of Dorian Grey (2005) ein. In der heutigen Zeit hat Dorian Grey natürlich kein Gemälde mehr, sondern eine Fotografie. Wenn man die Fotografien anschaut überkommt einen das Gefühl, dass Grey tatsächlich gleich um die Ecke kommen könnte. Die Frage ist nur welche Form aus den 4 Portraits ist es? Die Junge und Schöne oder die Hässliche und Alte? Zu dem erfolgt an dieser Stelle endlich literarische Gleichberechtigung. Neben dem klassischen Dorian Grey – natürlich schön aber vor allem männlich – findet  sich hier auch eine weibliche Version. Anscheinend sind Frauen wohl genauso verderblich wie Männer?!

© 2014 Karl Lagerfeld

Weiter geht es mit dem nächsten literarischen Klassiker Faust (1995). Der Fotoroman erzählt das Drama von Goethe modern und mit einen fast schon gegensätzlichen Ende. Gretchen – bekannt als die unschuldige und reine Dramenfigur schlechthin – geht am Ende ins Freudenhaus, damit sie sich teuren Schmuck kaufen kann. Faust muss bezahlen, wenn er Gretchen treffen will. Mephisto – also der Teufel – verführt Gretchen nicht einmal zur Sünde des Geldes – das Geld verführt sie von allein. Wäre der Teufel heute etwa arbeitslos?

Kommen wir nun zu den CHANEL Anzeigenkampagnen und Katalogen. Besonders ist mir hier der Katalog Lesson of Elegance (Frühjahr/Sommer 2013) in Erinnerung geblieben. Auf einem Bild wird sich steif auf die Couch gelegt, im nächsten lasziv gepost, dann einfach nur dagestanden oder elegant an die Wand drapiert – und das natürlich immer in Prét-á-Porter. Was ist für uns heute eigentlich Eleganz?!

Zum Schluss zu dem Werk das am meisten Eindruck auf mich gemacht hat. Der alte Komödiant (1997) ist stark sowie dunkel geschminkt, trägt großen Ohr-Schmuck, wirkt exzentrisch wie eine Theaterfigur. Das Bild bannt einen, der alte Komödiant wirft dem Betrachter einen Seitenblick zu. Er will ihm etwas sagen, aber was?! Oder will er ihn nur irritieren?! Das Bild wird mir wohl noch lange in Erinnerung bleiben und mich noch lange beschäftigen, denn ich habe seine Botschaft noch nicht entziffert.

© 2014 Karl Lagerfeld

Mein Fazit: Ich liebe die Ausstellung. Lapida daher gesagt aber todernst gemeint, mir hat alles gefallen. Und das meine ich nicht nur, weil ich mir jedes Werk zuhause aufhängen wurde. Jedes einzelne Werk hat mit mir etwas gemacht, dass meiner Ansicht nach für Kunst am bedeutensten ist, sie vielleicht sogar ausmacht. Jedes einzelne Stück hat mich zum Nachdenken gebracht. Sogar jetzt einige Tage nach meinem Ausstellungsbesuch fange ich wieder an über einzelne Bilder nachzudenken. Die Ausstellung hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen.  Und ist nicht das gerade das Schönste was Kunst einem schenken kann, einem neue Ideen und Blickwinkel zu eröffnen?

Auf den Punkt gebracht, in meinem Leben möchte ich zum ersten Mal Prinzessin sein. Dann hätte ich ein Schloss und der West-Flügel wäre nur mit der Ausstellung gefüllt, jeden Tag könnte ich mir die Ausstellung aufs Neue ansehen. In der realen Welt habe ich mir dann den Ausstellungskatalog gekauft. Der Katalog ist gebunden und kostet 18€ – es gibt durchaus Kataloge die teurer sind und weniger bieten, daher kaufen. Mit ihm kann ich jetzt weiter meine imaginären Rundgänge durch die Ausstellung machen.

© 2014 Karl Lagerfeld

Enden will ich nun mit einem Zitat vom Meister persönlich.

„Ich habe das Glück, im Leben das machen zu können, was mich am meisten interessiert: Fotografie, Bücher und Mode“ Karl Lagerfeld

Und kann nur sagen, dass es auch für uns ein Glück ist, denn wir können daran teilhaben. Also macht euch auf den Weg nach Essen, die Ausstellung ist noch bis zum 11.05.2014 zu sehen. Der Eintritt kostet für Schüler und Studenten 5€. Neben der Ausstellung könnt ihr dann im Preis einbegriffen auch noch einen Blick in die Sammlung – zu Gauguin, Pissaro, Monet, Manet und so weiter – sowie in die Ausstellung Plakte für das Theater werfen.

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