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Die andere Seite des Todes (11) – Von Legenden und Wahrheiten (Teil 1)

hoehlen

Die Schmugglerhöhlen von Grey Island stammten noch aus dem Piratenzeitalter. In seinem Reiseführer hatte Ryan gelesen, dass sie besonders im 17. Jahrhundert sehr oft genutzt wurden, um Waffen, Alkohol und auch Drogen und Diebesgut zu verstecken. Sie lagen gut versteckt zwischen den Klippen der Insel, und besonders jetzt, am herannahenden Sonnenuntergang trugen sie eine gewisse Schönheit in sich, da sanfter Nebel über ihnen lag. Sie hielten an einem großen, jedoch vollkommen leeren Parkplatz, in dessen Mitte die Statue eines Piraten stand. Wenn Ryan sich nicht irrte, stellte sie John Gow dar, der diese Insel angeblich als Versteck benutzt hatte.
Sie liefen zu dem Eingang der Höhlen. “Sie sind schön, nicht wahr?”, fragte Emily.
Ryan betrachtete die Höhlen genauer. Sah man von dem Parkplatz über den braunen Kiesstrand hinüber zu den ehemaligen Verstecken der Schmuggler, konnte man glauben, es handelte sich um leere Augenhöhlen. Wie ein Totenkopf, dachte Ryan, und eine Gänsehaut bildete sich auf seinem Rücken. “Stimmt. Sie wirken irgendwie… mysteriös.”
“Sind sie auch.”, fuhr Emily fort. “Es heißt, dass der Pirat Cullon Darin all seine Schätze vor seiner Festnahme hierhin gebracht hat, diese wurden allerdings nie gefunden.”
“Wer ist Cullon Darin?”, fragte Ryan verdutzt.
Emily schenkte ihm ein Lächeln und zückte dann ihr Portemonnaie, während sie die Kasse ansteuerten, an der eine genervt wirkende, fast vollkommen weißhaarige Frau saß, die wirkte, als hätte sie schon zur Zeit der Piraten gelebt. “In den Geschichtsbüchern ist er als der ‘Wilde Graue’ beschrieben. Das hat mir mein Vater früher immer erzählt. Ich weiß nur dass er ein Pirat war und unter seinen Schätzen wohl ein gewisses Amulett gewesen sein soll, mit dem er sich- laut den Geschichten- drei Mal wiederbelebt hat. Er wurde zehn Mal erhängt und dreimal erschossen, wenn man den Aufzeichnungen von damals glaubt.”
“Glaubst du ihnen?”, fragte Ryan.
Emily reichte der Kassiererin den Eintritt, und sie bekamen die Karten. “Nun, mein Vater hat ihnen geglaubt, und der war eigentlich niemand, der an Geistergeschichten oder Dämonen geglaubt hat. Danke,” sie nahm die Karten und reichte eine davon Ryan. “Er sagte mir früher immer, dass jede Geschichte von Grey Island mit den anderen in Verbindung stünde.”
Ryan nickte und ließ sich diesen Gedanken durch den Kopf gehen, und auf einmal musste er an die ertränkte Bäckerin denken, die wieder von den Toten zurückgekehrt war.

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