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Des Kaisers neue Kleider – Kunst an der Ruhr

 

Letztens habe ich in das Programm des Dortmunder New Industries Festival reingeschaut: spannende Ausstellungen, gute Ideen und künstlerische Konzepte, ein tolles Begleitprogramm und dann… in Zusammenarbeit mit Urbane Künste Ruhr. In dem  Moment wo ich diese 3 Worte las, bin ich etwas zusammengezuckt.

Jetzt fragt ihr euch wahrscheinlich wieso? Wer ist denn Urbane Künste Ruhr?

Kurze Info: Im Rahmen von Ruhr.2010 wurden viele Kunstprojekte auf den letzten Drücker aus dem Hut gezaubert, dabei ging es nicht immer um die Qualität. Für die Kulturhauptstadt Europas wurden die Wertigkeit und die Funktion der Projekte nebensächlich. Zu diesen Institutionen gehört auch Urbane Künste Ruhr.

Gut, aber was machen die denn nun? (Lest doch zuerst einmal ihre eigene Definition, welche man auf der Website finden kann.)

„Wir nehmen die einzigartige urbane Landschaft des Ruhrgebiets zum Anlass, gemeinsam mit Künstlern, Netzwerken und Kulturinstitutionen nach dem Kern des Urbanen zu suchen. Unter der künstlerischen Leitung von Katja Aßmann entwickelt und realisiert Urbane Künste Ruhr Projekte, die den Begriff „Kunst im öffentlichen Raum“ als tiefgreifende Gestaltung von Stadt neu definieren – immer vor Ort und gemeinsam mit den Menschen, die hier leben. Urbane Künste Ruhr wagt einen neuen Blick auf das Ruhrgebiet, auf Stadt an sich und auf die Möglichkeiten der Kunst.“

Aber entwickeln sie wirklich eigene Projekte und Konzepte? Oder benutzen sie einfach bestehende Konzepte und Projekte und labeln sie diese mit Urbane Künste Ruhr durch eine geringe finanzielle Unterstützung? Sind Urbane Künste Ruhr vielleicht nur eine Marketingstrategie für die Region und würden dadurch vielleicht sogar sich selbst legitimieren?

Im November 2012 durfte ich eins dieser ausgewählten Konzepte selbst in Dortmund miterleben. Im Rahmen des zweitägigen Projekts, welches als Vorzeigeprojekt der Urbanen Künste gefeatured wurde, standen eine Tour durch die Dortmunder Innenstadt, Vorträge und Diskussionsrunden auf den Plan.

Tag 1:

Ganz getreu der Mission der Urbanen Künste: auf unentdeckte künstlerische Potentiale im urbanen Raum aufmerksam zu machen, ging es unter dem Motto spektrale Räume, nach einer feierlichen Eröffnung im Dortmunder U, auf in die Nordstadt. Dort besuchten wir dann die „unentdeckten“ künstlerischen Potentiale Dortmunds, begonnen bei der Kulturkirche, über das Internationale Frauencafe, zum Restaurant Marakesh, bis zum Roxy Kino. Gut, alle diese Orte kannten Dortmunder schon, aber dies konnte man durchaus verzeihen, da auch Teilnehmer die nicht aus Dortmund stammten dabei waren.

Weniger akzeptabel war jedoch die Art, mit welcher sich die Veranstalter bei jeder einzelnen Station präsentierten. Es ist schön und zeugt von Anerkennung tolle Konzepte und Ideen von Projekten zu loben. Aber ist es das auch noch, wenn der Fokus dabei darauf liegt selbst der Entdecker der Projekte zu sein? Für mich ist das eher respektlos. Kann man die Tatsache, dass eine Einrichtung schon selbst viel geleistet und erreicht hat, einfach ignorieren und sich selbst mit Kolumbus, der Amerika entdeckt hat, gleichsetzen?

Besonders fiel mir diese Haltung beim Besuch des Frauencafes auf. Eine kleine Gruppe von Dortmunderinnen mit Migrationshintergrund  hatte dort den Aufbau eines Cafes begonnen. Das Cafe diente als Treffpunkt für immigrierte Frauen, an dem sie sich gegenseitig beraten und helfen konnten, außerdem sollte hier durch z.B.: Schulungen für den Umgang mit dem Computer für bessere Eingewöhnungs- und Berufschancen gesorgt werden. Für die kurze Zeit und das kleine Team, war das Cafe schon weit gekommen, jedoch fehlten noch Computer und Technik etc. Sollte man nicht der großen Leistung für den Raum der erschaffen worden war nicht erstmal überhaupt eine Bemerkung schenken, anstatt sofort eine Kooperation mit einer anderen Institution, welche ein Medienlabor besitzt, vorzuschlagen? Dem, was die kleine Frauengruppe erreicht hatte, wurde nur kurz Respekt gezollt und der Kooperationsvorschlag schien vielleicht eher angebracht worden zu sein, um der Kuppler der beiden zu sein. Zudem gab es schon eine Kooperation mit einer anderen Institutionen, dem Dietrich-Keuning Haus und eine Sponsoren, der das technische Gerät zur Verfügung gestellt hatte.

Tag 2:

Der Tag sollte nun zur Diskussion der Erkenntnisse des vorigen Tages dienen und vor allem sollte laut Info ein Konzept aus den ganzen Eindrücken entwickelt werden.

Die Frage, die sich aber erst mal die Teilnehmer stellten, was sollte das Ziel des Ganzen sein, denn wie sollte man sonst einen Weg dorthin entwickeln.

Naja, fassen wir mal kurz die Gesprächsthemen zusammen und kommen dann zur Antwort. 1)Kulturzentren wie das Dortmunder U zentralisieren, ja sie absorbieren die Kunst aus dem Stadtraum. Die These zu behandeln war natürlich völlig in Ordnung, aber sollte man dann nicht auch speziell die Mitarbeiter des Us zu Wort kommen lassen? Es blieb leider dabei, in ein paar Jahren wird das U alle Dortmunder Kunst räumlich absorbiert haben. 2) Engel, Elfen und Gins, ich weiß gar nicht mehr wie die Diskussion dort hinkam, aber der Zusammenhang hat sich mir nicht erschlossen. 3) Entdeckung: heute sitzen Menschen mit Handys im Zug, diese Erkenntnis führte dann zum Lieblingsthema vieler Erwachsener: die Jugend und das Internet. Das Thema passte durchaus in den Kontext, aber wurde nicht eine Chance  vertan, in dem die spektralen Räume, welche man mit dem Internet öffnen könnte, sofort abgelehnt wurden?

Über dies und vieles mehr wurde nun diskutiert, naja eher geplaudert,  aber die Ausrichter schienen mit ihrer Arbeit zufrieden zu sein.

Nur:  Was war nun die Antwort auf mehrmaliges Fragen nach dem Ziel der Veranstaltung? „Vielleicht kann man gar kein Ziel festlegen?!“ Reaktion der Teilnehmer war nun die Frage, ob das Projekt so nicht gescheitert wäre, ohne ein Konzept, welches ja am Ende des Ganzen entstanden sein sollte: „Vielleicht kann man gar nicht scheitern?!“. Als Jugendlicher dazwischen fragt man sich nun, warum man es unlogisch findet, aber man hat auch Respekt vor den Leistungen anderer gelernt hat und denkt natürlich erst mal wow, noch ein langer Weg bis du das mal nachvollziehen kannst.

Also nochmal die Frage, was tun die Urbanen Künste Ruhr nun (und warum hat es mich nachdenklich gemacht den Namen wieder bei einem Projekt zu lesen).

Im Grunde genommen suchen sie Projekte und Künstler in verschiedenen Städten raus, präsentieren diese bei Veranstaltungen und packen sie auf ihre Internetseite, bis hierher perfektes Marketing. 

Schaut man die Website der Urbanen Künste Ruhr an, könnte man folgenden Eindruck gewinnen: tolle Arbeit, welchen Künstlern und Projekten die zum Sprung geholfen haben! Ein Blick hinter die Kulissen und die Arbeitsweise lässt eine ganz andere Sichtweise entstehen: Um sich selbst zu profilieren hängen sich die Urbanen Künste an schon bestehende und bestens entwickelte Kulturelle Projekte und Akteure und machen den Glauben, es wäre ihr Verdienst.  Mein Eindruck: Auch wenn die Urbanen Künste ihre Projekte groß feiern und fotoreich präsentieren (nebenbei: ich wurde nie um eine Fotoerlaubnis damals gebeten, finde mich jedoch ebenfalls dort präsentiert) leisten sie im Grunde wenig. Oder fehlt ihnen nur das Know How, ihren Sinn zu vermitteln – mir erschließt er sich nicht. Zumindest im Vergleich zu anderen Einrichtungen, die sich bei jeder einzelnen Veranstaltung fragen „Was hat der Teilnehmer davon, was kann er im kulturellen und künstlerische Sinne mitnehmen? “, schneiden sie schlecht ab.

Die Symposien der Urbanen Künste scheinen weniger irgendwem zu Gute zu kommen. Der Drang der Selbstdarstellung überschattet dabei mehr die Projekte, als das es ihnen nützt. Es gibt kein Ziel!? Man kann nicht scheitern?! Für mich bleibt einer schaler Geschmack: ein bisschen organisieren, bei Unklarheiten rausreden und vielleicht ein Konzept umsonst entwickelt bekommen?

Letztendlich habe ich von der Veranstaltung nichts mitgenommen, außer der Frage, ob man so eine Arbeitsweise mit sich selbst und gegenüber anderen, die sich für Projekte wirklich engagieren, vereinbaren kann. Für mich ist das teure Selbstdarstellung auf Kosten der Kunst und Kultur an der Ruhr.

Trotzdem muss hier zur Fairness gesagt werden, dass es sich hier nur um meine negative Erfahrung mit dem Programm handelt. Ich möchte den Projekten und vor allem den Projektpartnern keine schlechten Intentionen anhängen oder die Qualität der  Ideen in Frage stellen. Vielleicht gab es bei der Umsetzung des Projektes einfach Probleme, weil wie schon erwähnt das Know How fehlte und die Idee zusätzlich eingekauft war. Macht euch am besten selbst eine Meinung und schaut euch den Abschlussbericht zum Vergleich an. http://www.urbanekuensteruhr.de/de/blog/abschlussbericht-spektrale-begegnungen-von-ute-vorkoeper-und-andrea-knobloch-(akademie-einer-anderen-stadt).18

 

 

 

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