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Der Sturm Xaver und die Tüte, die eigentlich keine war

Bernhard

Alles beginnt auf dem Dach der Dortmunder Berswordthalle: eine vermeintliche Plastiktüte wird von starken Windböen durch die Luft gewirbelt. Oft erreicht sie das Ende des Daches und droht, in die Tiefe zu stürzen – aber kurz bevor es zu spät ist, katapultiert Xaver sie wieder in die Höhe und lässt das Stück Plastik beachtliche Pirouetten und Salti vollziehen. Zunehmend wird die Windstärke intensiver und die ersten Bäume krümmen sich, als wollten sie sich vor dem gewaltigen Sturm Xaver verstecken. Plötzlich wird die Tüte an ein Fenster geweht und es stellt sich heraus: es ist gar keine Tüte! Vielmehr handelt es sich um einen Schutz für Blumen der Marke „Bernhard“, der wohl noch vom Vortag übrig geblieben ist. Wer hat diese Blumen wohl gekauft und was ist mit ihnen passiert? War es ein Mitarbeiter der Personalabteilung dessen Frau sich über einen Strauß Rosen freuen durfte? Oder ein Weihnachtsmarktbesucher, der sich zufällig auf dem Hansemarkt verloren hat und seiner Mutter ein liebes Geschenk gemacht hat? Vielleicht war es auch ungewollter, achtlos weggeworfener Blumenstrauß – wir werden es nie erfahren. Fest steht: die Schutzfolie Bernhard hat Orkantief Xaver nicht weiter stand halten müssen und verweilt nun im Plastikmüll des Kulturbüros Dortmund.

 

Aber wie kommt es eigentlich dazu, dass nicht nur Norddeutschland um sein Festland, sondern auch Dortmund um seinen tonnenschweren Weihnachtsbaum bangen muss? Schon vor einigen Tagen hieß es bei n-tv: „Orkan Xaver soll am Donnerstag mit geballter Wucht auf den Norden Deutschlands treffen“. Außerdem sollten alle lieber zu Hause bleiben und ihr Auto sicher parken. Ist es denn wirklich so schlimm?!

Wir können und wollen uns gar nicht vorstellen, wie viel Macht die Natur über uns hat. Natürlich wissen wir über Tsunamis, Tornados und Tschernobyl Bescheid, aber das ist alles immer so weit weg für uns. Wenn man so etwas nicht erlebt hat – was man natürlich keinem wünscht –, oder zumindest nah dran war, hat man vielleicht Mitleid mit den Opfern, aber dennoch ist es nicht wirklich real für uns.

Nun stellt sich die Frage: Was wäre mit der Tüte Bernhard passiert, würde sie nicht friedlich im Plastikmüll ruhen? Hätte Sturm Xaver sie einfach weiter in der Luft rumgewirbelt, sie mit all seiner Kraft in der Luft zerrissen, oder vorbei an dem großen Dortmunder Tannenbaum in eine ganz andere Stadt getragen? Auch das werden wir nie erfahren. Wir können nur dankbar sein, wenn wir von Umweltkatastrophen verschont bleiben und an andere denken, die dieses Glück nicht erfahren haben.

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