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Comedy und Kabarett als politisch bildende Anstalten

Kabarett und Comedy können mehr. Neben lustig, zynisch oder satirisch, sind Sie insbesondere eins: politisch. Nicht nur das Live-Programm von Serdan Somuncu oder dem allgemein bekannten Volker Pispers, sondern gerade auch TV-Formate nehmen Bezug auf aktuelle Thematiken und kommentieren und inszenieren diese satirisch . Hier wird ohne Scham und Rücksicht gesagt, was häufig in den Medien unter den Teppich fällt, auf Gefühle wird in den satirisch überhöhten Beiträgen keine Rücksicht genommen. Und das ist auch gut so.

Besonders die ZDF-Sendungen „heute-show“ und das „Neo Magazin Royale“ kursieren mit großer Freude unter dem deutschen TV-Publikum. Informationen und Nachrichten über die satirischen Magazine zu konsumieren ist vielfach beliebter als die tägliche Tagesschau. Warum? Hier darf man sich auslassen über das was einen beschäftigt, Moralvorstellungen werden verteidigt, politisches Fehlverhalten aufgedeckt und viele Themen häufig verständlicher erklärt, als es Jan Hofer oder Judith Rakers in ihren 15 Minuten können. In den USA ist das kabarettistische TV-Format bereits zum Massenphänomen avanciert. Die „Daily Show“, unter anderem auch Vorbild der „heute-show“, oder auch der „Colbert Report“, stellen dabei zwei der relevantesten US-TV-Sendungen dar, die täglich von Millionen Menschen verfolgt werden. Doch auch renommierte Zeitungen wie „TheOnion“ nehmen gerne mit Witz und Vernunft die Politik ins Visier. Während in Deutschland der hauptsächliche Fokus noch auf dem politischen Zeitgeschehen liegt, widmen sich amerikanische Satireformate stärker den Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und diese beteiligen sich dabei auch immer gerne. Kürzlich machte erst Multimillionär und Präsidentschaftskandidat Donald Trump mit einem Gastspiel bei der Comedy-Sendung „Saturday Night Live“ auf sich aufmerksam. Der in letzter Zeit ansonsten eher mit fremdenfeindlichen Aussagen in Verbindung gebrachte Trump zeigte sich hier von seiner unterhaltsamen Seite – mit Lockerheit und Humor lässt sich in der Regel eben nicht so schnell etwas falsch machen. Trump ist allerdings nicht der erste der sich mitHumor und Selbstironie bei der nächsten Wahl das Kreuzchen hinter seinem Namen sichern will. Auch Barack Obama ist gerne mal als Kabarettist unterwegs. Erst vor wenigen Tagen veröffentlichte der Spiegel Online einen Ausschnitt der Comedy-Show „Comedians in cars getting coffee“, dieses Mal mit keinem anderen als dem Präsidenten selbst, der selbstironisch von seiner Boxershorts-Schublade erzählt. In Deutschland lachen Politiker seltener über sich selbst, als dass über sie gelacht wird. Und sollte Angela Merkel dann doch mal für lustige Anekdoten verantwortlich sein, wird auch dieser gerne in den Medien und auf den Bühnen zerrissen. Aber ist Schadenfreude wirklich das beste Mittel zur politischen Bildung? Bei dem überwiegenden Anteil an heutigen Fernsehformaten ist das schlecht vorstellbar. Studien jedoch beweisen, dass viele Themeninhalte im Kontext satirischer Beiträge verständlicher und nachvollziehbarer werden als im klassischen Nachrichtenformat. 2014 veröffentlichte die University of Pennsylvania eine Studie, die zeigte, dass Comedy- und Kabarettshows sogar einen positiven Einfluss auf das politische Wissen der Zuschauer haben und den Weg zu einem offeneren und einfacheren Zugang zu politischen Themen eröffnet. Kabarett und Comedy bieten also mehr als nur Unterhaltung. Sie werden immer öfter gerne als Sprachrohr und Ablassventil genutzt, denn Satire darf alles. Aber darf sie das wirklich? Darf sie auch ausgenutzt werden um sich selbst oder eine Idee zu vermarkten? Es ist die Frage zu stellen ob die Selbstinszenierung von Trump oder Obama nicht viel mehr eine Täuschung des Publikums ist als echtes Kabarett. Oder sind da sogar die Grenzen fließend?

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